Die Faeces des Menschen im normalen und krankhaften Zustande : mit besonderer Berücksichtigung der klinischen Untersuchungsmethoden / von Ad. Schmidt und J. Strasburger.
- Adolf Schmidt
- Date:
- 1905
Licence: In copyright
Credit: Die Faeces des Menschen im normalen und krankhaften Zustande : mit besonderer Berücksichtigung der klinischen Untersuchungsmethoden / von Ad. Schmidt und J. Strasburger. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The University of Leeds Library. The original may be consulted at The University of Leeds Library.
338/366 page 310
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![4. Infusorien. ]5alantidium coli (Fig. 6, Tafel XI). 1857 von Malmston beschrieben'). Dei'Köi'per ist oval, ßO—100 |M lang, 50—70 ,(/ lireit, überall mit rasch fliraniernden Wimpern besetzt. Die Mimd- ülfniing trichterförmig, mit längeren Wimpern versehen (heterotriches Infiisor), befindet sich an dem einen etwas zugespitzten Ende, der After am gegenüber- liegenden. Ekto- und Endosark sind deutlich geschieden, letzteres ist granulii't, weist einen bolmenförmigen Kern und gewöhnlich 2 contractile Vacuolen auf, ausserdem Nahrungsballcn, wie Fetttröpfchen und Stärkekörner. Encystirte Formen sind beobachtet worden. Die Bewegung erfolgt äusserst rasch, das Infusorium stirbt aber Ijald ab, platzt und zerfällt. Es kommt häufig im Darm des Schweines vor, bei dem es keine Krankheitszeichen hervorruft. Von hier aus wird es auf den Menschen übertragen und ist deshalb vorwiegend bei Schweinezüchtern und dergleichen Personen zu finden. Vielleicht wird es auch beim Aufl)lascn der Schweinedärnie mit dem Mund, wie dies nach Dehio^) beim Wurstmacheu in Russland häufig \ orkommen soll, übertragen. Balantidiuin coli lebt beim Menschen im Dickdarm. Die lieobachtuugeu, die sich in den letzten Jahren gemehrt haben^ stammen zum grössten Theil aus den östlichen und nördbchen Theilen I<]u]'opas (Russland, Schweden). Die Patienten litten an langdauernden schweren Diarrhöen. Die Stühle enthielten Blut und Eiter. Bei Menschen, die zur OI)duc- tion kamen, fanden sich in frischeren Fällen blos liatarrhe, in älteren abei' tiefe Creschwüre der Sclileimhaut. Dehio und seine Schüler [Gurwitsch3), AYoit^j] sind der Meinung, dass über die Pathogenität des Balantidium kein Zweifel ])e- stehen kann. Die Thatsache, dass auch nach Beseitigung der Thiere (z. B. (birch Chinin) die Dur'chfälle oft lange Zeit nicht nachliessen, erklären sie durch (be schweren Veränderungen, die (He Darmwand bereits erlitten habe. Solowjew^) zeigte auf Grund ausführlicher pathologisch-anatomischer Untersuchungen, dass die Parasiten nicht nur in der Oberfläche rler Geschwüre zu finden sind, sondern zwischen den Drüsen der gesunden Mucosa eindringen, dort Veränderungen her- vorrufen, und, indem sie sicli stark vermehren, bis in die Submucosa und von hier zwischen die Musk(>lbündel der Museulaiis mucosae vordringen. Von der Submucosa aus beginnen die nekrotischen Veränderungen. Die Anwesenheit der Parasiten in der Tiefe des Gewebes erklärt nach Solowjew die Hartnäckigkeit des Leidens und seine Neigung zu Recidiven. Andere Autoren nehmen dem- gegenüber nur an, dass schon bestehende Durchfälle durch das Infusor ungünstig beeinflusst würden und dieses nicht als der eigentliche Eri-eger der Krankheit zu betrachten sei. Balantidium minutum (Colpoda cucuUus) wurde von Jacoby und Schaudinn^) in den Faeces eines Mannes gefunden, der abwechselnd an Übsti- 1) Literatur s. bei Janowski, Zeitschr. f. klinische Meclicin. Bd. 32. 1897. S. 415 Braun 1. c. S. 120. — Mitter, Inaug.-Dissert. Kiel 1891. — Solowjew, Centralbl. für Bakteriologie. Bd. 29. 1901. S. 821. 2) Petersburger med. Wochensehr. 1898. No. 36. 3) Petersburger med. Wochensehr. 1897. No. 20. 4) Deutsches Archiv f. klin. Medicin. Bd. 60. 1897. S. 363. 5) 1. c. 6) Centralbl. für Bakteriologie. Bd. 25. 1899. S. 487.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21507715_0338.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)