Diagnostik der Geisteskrankheiten für praktische Ärzte und Studierende.
- Robert Sommer
- Date:
- 1901
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Credit: Diagnostik der Geisteskrankheiten für praktische Ärzte und Studierende. Source: Wellcome Collection.
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![EINLEITUNG. Die Beziehungen der Psychiatrie zur Naturwissenschaft und Psychologie. Auf Grund der Anschauung, dass das Geistige und Körperliche unver- einbare Gegensätze sind, ist das seelische Leben noch lange Zeit als völlig ausserhalb der Naturwissenschaft liegend betrachtet worden, als diese die mechanische Welt schon zu erforschen begonnen hatte. Der cartesianische Dua- lismus, der durch seine scharfe Scheidung der materia extensa und substantia cogitans diese Trennung in schärfster Weise vornahm, hat die methodische Behandlung seelischer Phänomene zunächst mehr gehindert als gefördert, wenn auch in der Betonung der Selbstwahrnehmung des Denkens ein wichtiger Ausgangspunkt für eine auf Erfahrung beruhende Seelenlehre gegeben war. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die ganze Entwicklung der empirischen Psychologie, welche sich an dieses cartesianische Problem anknüpft, genauer darzustellen. Nur muss ein allgemeiner Satz, der sich bei der geschichtlichen Betrachtung aufdrängt, hervorgehoben werden. Dieser lautet: Erst nachdem das seelische Leben im allgemeinen als Gegenstand methodischer Naturbeobachtung betrachtet worden war, konnte eine wissenschaftliche Psychopathologie als Theil der allgemeinen Naturwissenschaft entstehen. Allerdings wird eine solche Wissenschaft nach der ersten Periode, in der wesentlich bereits fertige Methoden aus den vorher schon behandelten Gebieten der Normal-Psychologie übertragen werden, dann ihren eigenen Weg gehen. und wird sich eigene Methoden schaffen. welche ihren be- sonderen Zwecken angepasst sind. Es handelt sich um das fortschreitende Kindringen naturwissenschaftlicher Arbeit in Gebiete des geistigen Lebens. die im Sinne der früher herrschenden dogmatischen Seelenlehre als etwas Unbegreifliches jenseits der Grenzen natürliche]' Erkenntniss lagen. Diese Betrachtung scheint nun wenig Beziehung zu den Aufgaben /.u haben, welche an den Praktiker im Gebiete der Geisteskrankheiten herantreten, und doch lassen sich aus ihr eine Anzahl von methodischen Regeln ableiten, die durchaus geeignet sind, die diagnostische Erkenntniss in den einzelneu Fällen der Praxis zu fördern. Es entspringen nämlich gerade aus dem Mangel unbefangener Natur- beobachtung den Geisteskranken gegenüber und aus der Einschränkung der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21002873_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)