Entwurf einer Cellularphysiologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Functionslehre / dargestellt von Alexander Diesterweg.
- Diesterweg, Alexander.
- Date:
- 1869
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Credit: Entwurf einer Cellularphysiologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Functionslehre / dargestellt von Alexander Diesterweg. Source: Wellcome Collection.
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![Schwankungen der diese physiologischen Reize re- präsentirenden cellularen Vorgänge vor sich gehen.. Vergleichen wir die nutritiv th'ätigen mit den functionell thä- tigen Zellen, so ergiebt sich, dass nur letztere „durch die Eigen- thümlichkeit ihrer inneren Einrichtung einer schnelleren Verän- derung zugänglich sind. Wir müssen demnach zunächst von den Vorgängen, welche^ in den niederen Geweben stattfinden, absehen, da wir von der Nutrition der Bindesubstanz ebensowenig wissen, wie von der; Function derselben. Aehnlich verhält es sich mit den Epithelial-- dementen. Die Vorgänge, welche bei ihrer Nutrition oder Func- tion eintreten, sind so minimaler Natur und so unbedeutendem Veränderungen unterworfen, dass uns eine Kenntniss dieser Vor- gänge und ihrer eventuellen Modificationen noch unbekannt isti Bewirkten diese Vorgänge wirklich physiologische Reize, so könn-,- ten dieselben nur auf zweierlei Weise auf die Arbeitsorgane ein-t wirken. Entweder müssen die durch di3se V(jrgänge erzeugtem] Producte durch die Circulation zu den Centren der Arbeitsorganec gelangen, entsprechend der Auffassung der Humoralphysiologen,i die wir bereits von der Hand gewiesen, oder aber es müsste cine( directe Nervenverbindung vorhanden sein, so dass die Vorgänge« das periphere Ende derselben reizten, und so reflectorisch eine( Tliätigkeit der Arbeitsorgane erzeugt würde. Da nun eii?e Ner- venverbindung dieser Gewebe mit'den Centren jener Arbeitsor-I gane nicht existirt, so können wir schon darum in den cellularen' Vorgängen jener niederen Thiergewebe keine physiologischen» Reize erkennen, ganz abgesehen von ihrer minimalen Bedeutung.; und geringen Veränderungsfähigkeit. In gleicher Weise müssen wir (die seelischen Vorgänge sind selbstverständlich ausgeschlossen) die im Centrainervensystem statt- findenden cellularen Vorgänge ausschliessen. Von ihrem Stoff-1 Wechsel wissen wir ebensowenig, wie von dem Stoffwechsel der Bindesubstanz und der Epithelialelemcnte. Sie sind die Mittel- glieder zwischen den physiologischen Reizen und den Arbeitsor- ganen. Es bleiben uns demnach nur die Vorgänge in drei Geweben als Quellen physiologischer Reize übrig: die Vorgänge in den Mus- kelzellen, Drüsenzellen und Blutzellen. Indessen auch hierbei ist unsere Ausw^ahl nur eine beschränkte Bei vielen Drüsen und vielen Muskeln ist einmal ein Zusammen- hang^ mit den Centren nicht nachgewiesen, und zweitens hat ihre Thätigkeit ein zu locales Interesse, als dass wir ihnen einen Ein- fluss auf die Centren der Arbeitsorgane zuschreiben können; so z. B. den arrectores pilorum der Haut, den in die Haarbälge ein- mündenden Talgdrüsen, den glatten Muskelfasern der Gefässe,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22295847_0008.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)