Allgemeine und specielle orthopädische Chirurgie : mit Einschluss der orthopädischen Operationen.
- Schreiber, August.
- Date:
- 1888
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Credit: Allgemeine und specielle orthopädische Chirurgie : mit Einschluss der orthopädischen Operationen. Source: Wellcome Collection.
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![mangel constatirt worden ist, während für andere eine abnorme Lage- rung, die ebenfalls zu einem abnormen Druck Gelegenheit gibt, in Frage kommt. Auch die Aetiologie der Deformitäten, die durch intrauterine Erkrankungen oder während der Gravidität erlittene Contusion oder andere Verletzungen erklärt werden müssen, bietet keine Schwierigkeiten dar, wenn man natürlich auch nicht allen betreffenden Angaben absoluten Werth beilegen darf. Ein nicht geringer Procentsatz von Deformitäten entsteht durch ungünstige, rein äusserliche Einwirkungen; wir werden sehen, wie das anhaltende Tragen der kleinen Kinder auf einer Seite zu Skoliose disponiren kann. Schon Camper, Soemmering etc. eiferten gegen die Schnürbrüste und z. B. Shaw betonte schon den ungünstigen Ein- Huss des zu festen Schnürens auf den Thorax und die Musculatur des Stammes. In der neueren Zeit ist es noch mehr die unzweckmässige Schuhbekleidung (zu spitze Schuhe mit hohen Absätzen), die zu charakteristischen Deformitäten (Hallux valgus etc.) führen und be- trächtliche Beschwerden herbeiführen können. Für die grosse Gruppe der durch abnorm andauernde und zu grosse Belastung entstehenden Deformitäten (z. B. Genu valg., Plattfuss etc.) wirkt allerdings eine Schwäche der Musculatur, des Bandapparates prädisponirend mit, das Wesentliche liegt jedoch immer in der abnormen, dauernden, übertriebenen Stellung, unter deren Einfluss es zu einem ungleichmässigen Weiterwachsen des betreffenden Gliedes kommt, indem an der Stelle der starken Belastung das Wachsthum aufgehalten wird, an der entlasteten Partie das Wachsthum in ver- mehrtem Grade stattfindet (wofür z. B. das Genu valg. ein typisches Beispiel darbietet;. H. V. Meyer*) unterscheidet hier ein relatives Ueberwiegen (wenn die Wider- stände zu gering [bei Ehaehitis ete.]) und ein absolutes Ueberwiegen der auf das Skelet einwirkenden äusseren Gewalten, wenn bei normaler Widerstandsfähigkeit die äusseren Einwirkungen zu intensiv oder zu häufig sind. Es können so habituelle Stellungen zu einer ungleichen Vertheilung der Last, zu unsymmetrischem Wachsthum, zu Ver- krümmungen führen, wie z. B. bei der Skoliose näher zu erörtern ist, und wir sehen, dass gewisse professionelle Haltungen, wie z. B. die gebückte bei Kupferstechern, Uhrmachern, Steinklopfern etc., zu förm- lichen Deformitäten werden und dass gewisse Berufsbeschäftigungen (wie z. B. bei Drechslern durch das Drehen des Eades etc.) zu charak- teristischen „professionellen Verkrümmungen führen, um so eher natürlich, wenn die betrettenden Schädlichkeiten auf den jugendlichen und zur Zeit gesteigerter Wachsthumsintensität nachgiebigen Knochen einwirken, der leicht einer solchen Formverändening fähig ist. 2. Wichtiger sind allerdings die durch krankhafte Verän- derungen der Skelettheile entstandenen Dittormitäten, und hier sehen wir verschiedene Knochenerkrankungen, die zu einer gewissen Weich- heit und (der Belastung gegenüber) Nachgiebigkeit des Knochens führen (wie z. B. Ehaehitis, Osteomalacie) oder solche, in denen es zu einer umschriebenen Zerstörung des Knochengewebes kommt (das ') Missbildung des Beckens unter dem Einfluss abnormer Belastuugsrichtung, Jena 1886.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21207926_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)