Allgemeine und specielle orthopädische Chirurgie : mit Einschluss der orthopädischen Operationen.
- Schreiber, August.
- Date:
- 1888
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Credit: Allgemeine und specielle orthopädische Chirurgie : mit Einschluss der orthopädischen Operationen. Source: Wellcome Collection.
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![alteten Luxationen, bedingten Verunstaltungen, sowie die. welche nach schlecht geheilten Epiplij'senlösungen, respective Epiphysenfracturen zurückbleiben. Bezüglich traumatiseher Verletzung der Epiphysengegenden können in deren Ge- folge auch mehr oder minder ausgesprochene Waehsthumslörungen an sich ein ortho- pädisches Leiden darstellen (das allerdings der Behandlung nur wenige Anhaltspunkte gewährt, aber bedeutende Missstaltungen verursachen kann. Das Yorkomraen der Deformitäten ist nun je nach dem Alter und Geschlecht für die einzelnen Formen ein recht verschiedenes, die grosse Mehrzahl derselben kommt überhaupt im kindlichen, re- spective Jünglingsalter zur Beobachtung und sind oft die äusseren Einflüsse auf die Frequenz in vieler Beziehung massgebend, so sehen wir die habituelle Skoliose fast ausschliesslich bei Mädchen; die auf abnorm starke Belastung, Uebermüdung zurückzuführenden Defor- mitäten des Genu valgum und Pes valgus kommen dagegen vorwiegend bei Knaben vor. Ausser der verschiedenartigen Beschäftigung kommen jedocli auch betreffs der ungleichen Frequenz der verschiedenen Difformitäten bei den verschiedenen GeschlecJitern die im anatomischen Bau be- gründeten verschiedenen Belastungsrichtungen sowie durch die Kleidung und andere äussere Einflüsse repräsentirte Verschieden- heiten in Betracht. Die Symptome der Deformitäten müssen natürlich bei den ein- zelnen Gruppen der Verkrümmungen speciell abgehandelt werden, dagegen sei hier noch die Bedeutung derselben überhaupt und für das betroffene Individuum im Speciellen kurz besprochen. Dass auch der Staat mit den Difformitäten zu rechnen hat, dafür sprechen schon die Zahlen, wenn z. B. Schrauth in den Sech- zigerjahren allein von 2.5.000 Rückgratsverkrümmungen in Bayern spricht, Werner schon 6.5.000 Skoliosen in Preussen erwähnt und z. B. ein Census für England und Wales nicht weniger als 409.207 Indi- viduen als deform angibt, wovon nahezu ein Vierte], 90.277, allein auf London fallen, so können wir leicht daraus entnehmen, wie grosse Einbusse an wehrfähigen Individuen der Staat hierdurch erleidet; denn aus leicht begreiflichen Gründen ist auch der Dieffenbach'sche i) Vorschlag, Klumpfüssige z. B. zu Cavalleristen zu machen, nicht durch- führbar. Da nun auch viele orthopädische Leiden die betreffenden Individuen erwerbsbeschränkt oder gänzlich unfähig machen, so sind dieselben meist eine wesentliche Belastung der Armencassen etc., und die Behörden haben hinreichend Grund, auch auf dieses Gebiet zu achten und mit der Zahl der von Deformitäten Heimgesuchten zu rechnen. Wenn wir von dem kriegerischen Volke der Spartaner die kurzen Worte lesen: „Schwächlinge wurden am Taygetus ausgesetzt', so bezeichnet das wohl die einfachste, allerdings wenig humane Art der Behandlung dieser Frage; al>er auch bei Culturvölkern wurde in gewissem Sinne (wie z. B. durch das mosaische Gesetz) die Verfolgung der Krüppel dadurch sanctionirt, dass nur Personen mit untadeligem Körperbau für fähig erklärt wurden, die Priesterwürde zu bekleiden, etc.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21207926_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)