Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch.
- Henoch, E. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1899
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch. Source: Wellcome Collection.
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![or.schcinon, iihlss llioils dein iiacli abwärts f’-ericlilcloii conecnlrischen Zug der Zwcrcli(’ellsiiiscrtionen, thcils dem atmospliärischen Druck zuge- schrieben werden. Dass die Voluniszunahmc des Kopfs, zumal das Vorspringen der Stirn und der Tubera ])ariclalia, durch periostitischc Auflagerungen be- dingt, und dadurch bisweilen Verwechselungen mit Hydrocephalus hervor- gerufen werden, erwähnte ich bereits. Zwar werden von verschiedenen Autoren Fälle von „Hypertrophie des Gehirns“ bei Rachitis beschrieben, mir selbst aber ist bisher ebenso Avenig ein sicherer Fall dieser Art vorgekommen, als ich mich von der lläuligkeit hydrocephalischer Compli- cationen, wie siez. 13. von Rittcrangegeben Avird, überzeugen konnte^). — Die ätiologischen Verhältnisse der Rachitis sind uns ebenso wenig klar, Avie die der Scrophulose. Die Verbreitung der Krankheit in grossen Städten, zumal des nördlichen oder mittleren Europa, ist eine enorme, und Avenn Ritter unter den in Prag von ihm poliklinisch behandelten Kindern 31 pCt. rachitische fand, so möchte ich dies Verhältniss nach den in meiner Poliklinik gemachten Erfahrungen für Berlin noch für zu gering halten. Das überwiegend häufige Vorkommen der Krank- heit bei Kindern armer Leute ergiebt schon, dass ungünstige Lebens- verhältnisse, unzweckraässige Ernährung, Mangel an Pflege und Reinlich- keit, Einathmen verdorbener Luft in engen, überfüllten und noch dazu oft feuchten Räumen, eine wesentliche Rolle spielen^). Darauf mag Avohl auch das häufigere Auftreten der Rachitis im AVinter und Frühjahr be- ruhen, nachdem die Kinder lange nicht an die Luft gekommen sind. Die überwiegende Alehrzahl der Rachitischen sind Päpp elkin der, welche statt Mutter- oder Ammenmilch künstliche Nahrung, insbesondere viel Mehlbrei u. dgl. m. bekommen haben. Auch eine unzureichende Be- schaffenheit der Aluttermilch, meist bedingt durch die ärmlichen Ver- hältnisse der Säugenden, kann den Grund zu Rachitis legen. Fried- Icbcn fand die Milch von zwei Müttern rachitischer Kinder bedeutend ärmer an Protc'insubstanzen und Kohlehydraten, als die normale Frauen- Auf die Doformitäten der Gelenke bei Rachitis ist besonders Ivassowitz nälier eingegangen (.Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 22, 23, 24). i>as verspätete Gehen, Stellen und Sitzen der Rachitischen führt er auf einen entzündlichen Zustand der Gelenkbtänder zurück, der eine SchlaiThcit der Gelenke, z.uinal des Knies, selbst der Fingergelenke, begründen soll. 2) Im Süden, zumal in der heissen Zone, kommt die Krankheit seltener vor, dass sie aber in llochthälern, z. B. in Davos, wie Volland, .tahrb. f. Kinderheilk. Bd. 12. S. 118 angiebt, ganz vermi.sst wird, hat sich nicht bestätigt (Feer, Festschrift für llagcnbach. Basel und Leipzig. 181*7). - Mey, .lahrb. f. Kinderheilk, 189G.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21501270_0893.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)