Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch.
- Henoch, E. (Eduard Heinrich), 1820-1900.
- Date:
- 1899
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch. Source: Wellcome Collection.
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![KraiiklH‘il sich nichl; mehr entwicki'ln; \ielmehi- hcsiclil sic fast in allen Fällen, welche später in Behandlung kommen, schon weit länger, kommt aber den Eltern erst dann zum Bewusstsein, wenn die Kinder nicht zur gewöhnlichen Zeit stehen und gehen lernen. Fälle von Rachitis tarda^) welche der sogenannten Syphilis tarda entsprechen würden, sind mir wenigstens bis jetzt nicht vorgekommen. üie Vercänderung der Schädelknochen, welche Elsässer^) unter dem Namen „Craniotabcs, weicher Hinterkopf“ beschrieb, gehört zweifellos der Rachitis an. Die Schädelknochen, besonders das Hinter- hauptsbein, lassen sich leicht durchsägen, selbst diirchschneiden. Die Knochensubstanz ist weich, succulent, blutreich, biegsam, an vielen Stellen rauh und porös. Ihre erdigen Bestandtheile sind vermindert. Die Auflockerung des Gewebes ist am stärksten gegen die Fontanellen und Nähte hin entwickelt, während die Ränder selbst wieder compacter erscheinen. Das Periosteum ist dick, blutreich, schwer abziehbar. Im Hinterhauptsbein, aber auch in den Scheitelbeinen, besonders längs der Sutura larabdoidea, zeigen sich Eindrücke und Gruben, welche den Gyris des Gehirns entsprechen, stark verdünnt und wie ein Kartenblatt ein- drückbar sind, bisweilen aber auch nach dem gänzlichen Schwund der betreffenden Knochensubstanz unregelmässige, ovale oder eckige, selbst haselnussgrosse Löcher darstellen, in welchen Pericranium und Dura einander berühren. Diese Erscheinungen finden sich bisweilen schon bei Kindern in den ersten Monaten des Lebens, meist aber ei'st im 2. Tri- mester bis gegen den 8., höchstens den 13. Monat. Nur in einem Fall soll das Hinterhauptsbein noch bis in das diltte Jahr hinein eindrückbar gewesen sein. Elsässer, welcher die Oraniotabes als Rachitisform des Säuglings betrachtet, nimmt an, dass die weichen Scheitel- und Hinter- hauptsknochen durch den Druck der Gehirnwindungen an den gedrückten Stellen, zumal am Occiput, wegen der steten Rückenlage allmälig resor- birt, verdünnt und endlich durchlöchert werden. In der That findet man bei manchen Kindern im 1. Lebensjahr bei sorgfältiger Betastung des Kopfs im IIinterhau])tsbein nahe der Lambdanaht nachgiebige, eindrück- bare, wie ein Kartenblatt knitternde Stellen, ohne andere rachitische Symptome, und Friedleben und Ritter meinen, dass solche auf den Schädel beschränkte Fälle nicht als pathologische aufzufassen seien, sondern noch innerhalb der Grenzen der physiologischen Entwickelung Kassowilz, Allgeiii. Wiener med. Zeit. 1S8Ö. No. 18. — llokaT, Wiener Idin. Kuiulscliau. 1896. S. 117. '-) Der weiche Ifinlerkopf n. .s. w. Stuttgart und Tübingen. 1843,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21501270_0896.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)