Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler.
- Albrecht von Graefe
- Date:
- 1911
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Credit: Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler. Source: Wellcome Collection.
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![selbst wird weißer und deren Substanz opaker, jedoch erhielt sie nie den sehnig-weißen Glanz, wie bei Zerebral-Amaurose, sondern mehr ein mattes wachsartiges Aussehen; diese Ver¬ änderungen haben offenbar mit den ursprünglich glaukomatösen Druekveränderungen nichts zu tun; sie bedeuten die vorrückende sekundäre Atrophie des Sehnerven. Überhaupt wiederhole ich meinen damaligen Ausspruch, daß spätere Verschlechterung des Sehvermögens nicht von Rekrudeszenzen des glaukomatösen Prozesses, sondern von einem Portschreiten der Sehnerven¬ atrophie abhängt, welches letztere unvermeidlich scheint, hat einmal der Nerv bis auf einen gewissen Punkt gelitten. Die Variabilität der Erfolge in den späteren Stadien des Glaukoms, besonders in betreff der Dauer, steht in so grellem Gegensatz zu deren Vollständigkeit und Beständigkeit in der akuten Periode, daß der [134] Rat, sofort und ohne Be¬ denken zu operieren, nicht genügend zu urgieren ist. Die Anweisung, vor der Iridektomie Parazentesen zu versuchen, welche von verschiedenen Seiten aus unbegründetem Vorsichtig¬ keitsprinzip gegeben ist, muß ich auf das Entschiedenste ver¬ werfen. Die Erfolge der Parazentese für sich sind in der unendlichen Mehrzahl der Fälle temporär, wie mich dreijährige, auf breiter Basis ausgeführte Versuche gelehrt haben. Eine methodische Anwendung der Parazentese nimmt allerdings häufig dem Glaukom seinen akuten Charakter, lindert die Symptome, aber beugt einer allmählichen Abnahme des Sehvermögens nicht vor. Diese war bei genauer Prüfung des Gesichtsfeldes inner¬ halb 3 bis 4 Monaten beinah ohne Ausnahme zu konstatieren. Stelle ich diesen Erfahrungen die Resultate der Iridektomie gegenüber, so bleibt kein vernünftiger Grund zum Schwanken. Man versäumt durch solche probatorische Parazentesen den Zeitpunkt für die radikale Hilfe, welche nicht bloß von dem Stande der Symptome, sondern wesentlich von dem Zeitraum abhängig ist, währenddessen das Auge bereits affiziert war. Ferner ist mit Recht zu fürchten, daß die wiederholten Ein¬ griffe in die Zirkulation des Auges — denn als solche müssen wir eine jede Druckveränderung betrachten — die Verhältnisse für das als wirksam erprobte Verfahren nachteilig influenzieren. In meiner Klinik verkehren eine ansehnliche Zahl solcher Kranke, deren eines Auge in früheren Jahren mit Parazentese, deren zweites Auge mit Iridektomie behandelt wurde. In anderen Fällen war früher die Behandlung mit Parazentesen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31361730_0047.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


