Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler.
- Albrecht von Graefe
- Date:
- 1911
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Credit: Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler. Source: Wellcome Collection.
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![Sehnervenexkavation vorhanden ist. In den späteren Stadien des akuten Glaukoms entsteht dieselbe allmählich, es bildet sich dabei die von H. Müller beschriebene Verdrängung und Atrophie der Faserbündel aus, und es ist, wenn wir die ana¬ tomischen Verhältnisse bedenken, wohl begreiflich, daß ein solcher Nerv nicht wieder in die normale Form zurückkehrt, selbst wenn die mechanischen Ursachen der Formveränderungen aufgehört haben. Schon die Verklebung der verdrängten Netz¬ hautgefäße mit den seitlichen Wandungen der Grube muß sich einer solchen Rückbildung entgegensetzen. Am allerraschesten sieht man eine Sehnervenexkavation entstehen, bzw. eine un¬ erhebliche Exkavation in eine erhebliche übergehen, wenn chronisches Glaukom mit mäßiger Herabsetzung des Sehver¬ mögens und mäßiger Druckzunahme eine Zeitlang bestanden und nun auf einmal ein Ausbruch sogenannter glaukomatöser Chorioiditis hinzugetreten ist. Hier ist die Resistenz der Papille durch das vorangegangene chronische Leiden schon sehr ver¬ ringert, weshalb sie [138] der stärkeren Druckzunahme rasch und in hohem Grade nachgibt. Wird unter solchen Verhält¬ nissen, etwa einige Tage, nachdem ein akuter Anfall erfolgt ist, oder einige Wochen, nachdem die ersten subakuten Schübe (mit Pupillarerweiterung und diffuser Trübung der brechenden Medien) erfolgt sind, operiert, so kann man die Rückbildung der Papille auf das Allerschlagendste konstatieren. Ich sah auf diese Weise tiefe Gruben binnen einer Woche in flache, napfförmige Vertiefungen sich umwandeln, die Gefäßenden nach großen Verschiebungen am Rande der Grube in einen stumpfen Winkel zusammentreten und geringe Gefäßknickungen sich vollständig strecken. Um hierüber sich dogmatische Sicherheit zu verschaffen, muß man die Papilla mit den Gefäßfiguren vor der Operation genau aufzeichnen und nachher in Abständen die Bilder vergleichen. Beispielsweise weise ich auf die beiden beistehenden Zeichnungen hin, welche Dr. Liebreich in einem geeigneten Fall für mich anzufertigen die Güte hatte. Sie betreffen eine Frau, welche schon 4 Monate am Prodromal¬ stadium gelitten und seit einigen Wochen subakute Schübe (ohne erhebliche Schmerzhaftigkeit, [139] aber mit Iridoplegie, Trübung des Kammerwassers usw.) bekommen hatte. Fig. 1 stellt die Papilla vor der Operation dar, Fig. 2 l1/, Woche nach der Operation. Ist auch der Grad der Exkavation in einer Zeichnung schwer wiederzugeben, so markieren doch die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31361730_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


