Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler.
- Albrecht von Graefe
- Date:
- 1911
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Credit: Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler. Source: Wellcome Collection.
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![Beobachtung lehrte mich, daß in solchen Fällen eine Sehnerven¬ exkavation und überhaupt Andeutungen einer Druckvermehrung sich entwickeln. Die Exkavation des Sehnerven ist hier nie so auffallend und scharf markiert, als bei Abwesenheit von Sclerectasia posterior. Es läßt sich dies aus den anatomischen Verhältnissen leicht erklären; da die um den Sehnerven herum befindliche Sklera relativ gelockert, also deren Widerstandsfähig¬ keit von der des Sehnerveneintritts durchaus nicht so abweichend ist, als in normalen Augen, so kann auch [154] eine steile Grubenbildung an der Stelle der Papilla durch Druck nicht zustande kommen, sondern nur eine flachere Vertiefung, deren Band geringe Gefäß Verschiebung zeigt. Von einer physiolo¬ gischen, etwas stark ausgeprägten Konkavität der Papille (Heinr. Müller) unterscheidet sich dieselbe besonders dadurch, daß sie sich bis zur Peripherie des Opticus erstreckt, während die physiologische nur die zentraleren um die Gefäßaustritte gelegenen Partien okkupiert. Das Verhalten eines solchen Seh¬ nerven ist übrigens, wenn man einmal auf die Sache aufmerk¬ sam geworden, charakteristisch genug. Bei gewöhnlicher Sclerec¬ tasia posterior ist gerade die Abgrenzung des Sehnerven verwischt, das Terrain der Papilla läuft mit dem der anliegen¬ den Sklera gewissermaßen in eins, so daß wir oft beides lediglich durch Ergänzung einer nach der inneren Seite noch erhaltenen Sehnervenkontur, durch das Verhalten der Gefäße und allenfalls durch die Erkenntnis des über der Sklera atro- phierenden Chorioidalgewebes abgrenzen können. In den oben erwähnten Fällen tritt dagegen die Scheibe des Sehnerven wieder¬ um deutlich inmitten oder an einer Seite der weißen Figur hervor. Dies ist zunächst, was Verdacht erregt; bei genauerer Betrachtung zeigt sich alsdann durch die üblichen optischen Mittel die Papilla flach ausgehöhlt; eine bedeutende Anomalie der Gefäße ist, wie oben gesagt, nicht zu erwarten, sondern nur eine leichte Verschiebung, ebenso ist auch die für Seh¬ nervenexkavation charakteristische Beleuchtung der Papilla hier nur mäßig angedeutet. Mir scheint das Vorkommen einer jeden markierten Aushöhlung der Papilla in ihrer Totalität bei Sclerectasia posterior um so mehr pathologische Bedeutung zu verdienen, als selbst die physiologische Abflachung bzw. Ein¬ senkung der Papilla um die Gefäße herum, wenn sie vorher vor[155]handen, sich bei Ausdehnung des hinteren Bulbusab¬ schnittes zu verstreichen pflegt, wie ich mehrmals bei akquisiter](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31361730_0062.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


