Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler.
- Albrecht von Graefe
- Date:
- 1911
Licence: Public Domain Mark
Credit: Albrecht von Graefe's grundlegende Arbeiten über den Heilwert der Iridektomie bei Glaukom / eingeleitet und herausgegeben von Hubert Sattler. Source: Wellcome Collection.
75/88 page 71
![die Form in das Bereich der glaukomatösen (konsekutiven) Exkavationen. Immer waren beide Augen fast zugleich er¬ krankt, aber 5 mal in sehr verschiedener Weise, so daß auf dem einen noch eine gute zentrale Sehschärfe bei mäßiger lateraler Einengung des Gesichtsfeldes, auf dem andern nur exzentrisches Gesichtsfeld existierte. Die Patienten waren zwischen 14 und 50, 4 davon unter 30 Jahr. Ich habe außer diesen sieben (operierten) Fällen noch einige ähnliche beobachtet, die nicht operiert, alle allmählich erblindeten. Von meinen Operierten führe ich beispielsweise einen jungen Mann an, der vier Jahre in meiner Beobachtung ist. Ich besitze die Gesichts¬ feldmessungen, die fast zwei Jahre vor der Operation in Ab¬ ständen von vier Monaten gemacht wurden. Bei der ersten Prüfung war das eine Auge bereits auf exzentrische Licht¬ empfindung [306] reduziert, das zweite zeigte bei völlig nor¬ maler Sehschärfe eine leichte, periphere Undeutlichkeit nach innenoben. Myopie J/4, Akkommodationsbreite 1/5 (bei 18 Jahren). Dann verfiel das zweite Auge Zusehens, jede neue Prüfung er¬ gab ein ungünstigeres Resultat. Als ich mich endlich zur Operation dieses Auges entschloß, war zwar die Sehschärfe erst auf 60 °/0 gesunken, aber das Gesichtsfeld hatte nach innen- oben nur noch eine Öffnung von 20° und innerhalb dieser war das exzentrische Sehen bis gegen das Zentrum höchst undeut¬ lich, bei geringer Lichtintensität fast defekt. In den beiden Jahren seit der Operation hat sich die Sehschärfe von 60 °/ bis 80 °/0 gehoben, das Gesichtsfeld nach der Beschränkung hin um eine Zone von 10° gewonnen und auch nächst der Grenze des Defektes ist das exzentrische Sehen deutlicher als früher. Ohne Iridektomie wäre dieser Patient wahrscheinlich schon völlig blind oder auf eine dürftige exzentrische Licht¬ empfindung reduziert.1) Dieselbe günstige Wendung habe ich 1) Interessant war mir in diesem Fall das Auftreten sehr massen¬ hafter Veränderungen in der Pigmentlage der Aderhaut während des ersten Jahres nach der Operation, von denen früher nicht das mindeste zu entdecken gewesen war. Eine ähnliche Beobachtung habe ich noch in einem anderen Falle gemacht. Sind wir nicht, da sich nicht die mindeste Verschlechterung an diese Erscheinungen knüpfte, im Gegen¬ teil die Besserung kontinuierlich vor sich ging, zu der Annahme be¬ rechtigt, daß ein Prozeß in der Aderhaut schon früher existierte, der den Untersuchungsmitteln entging, aber nach der Druckverminderung in eine andere für die Diagnose zugängigere Phase eintrat? Ich glaube für diese Vermutung noch mehrere Gründe zu haben, welche ich be-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31361730_0075.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


