Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![den fügt Parmenides noch eine speziellere Bestimmung hinzu: er erklärt das Denken für zusammenfallend mit dem Sein; denn, sagt er, der Gegenstand des Denkens ist eben das Seiende (v. 94), und das Denken ist nicht ohne das Sein, innerhalb dessen es selbst ist (v. 95), weil ja überhaupt ausser dem Seien- den nichts ist (v. 96 f.); Existenz und Denken sind somit im Seienden ungeschieden; wo Sein ist, ist auch Denken. Par- menides vergleicht daher (v. 102—109) das Seiende mit einer wohl gerundeten, vom Centrum nach allen Seiten hin gleich weit abstehenden und in allen Theilen sich gleichen Kugel; damit will er sagen, das Seiende ist zwar ein Ausgedehntes, aber ein in sich Vollendetes und ein überall gleich Reales ohne irgend welche Gradunterschiede der Existenz. Hiemit sind die Prädikate oder Merkmale (a-Zj^axa) auf- gezählt, die Parmenides seinem Sein beilegt; in der Aufzählung dieser Eigenschaften, d. h. in der Beschreibung des reinen oder absoluten Seins, besteht seine ganze positive Philosophie. Aus diesem Begriff des öv zieht nun Parmenides die negative Fol- gerung, dass alles Dasjenige, was diesem Begriff des reinen, gleichartigen, vollendeten Seins nicht entspricht, d. h. dass Alles, was ein [jlt] ov ist, was in irgend einer Beziehung ein Nichtsein, ein Werden, ein Entstehen und Vergehen, eine Ab- uud Zunahme, eine Ungleichheit, einen Mangel, eine Beschrän- kung des Seins, eine Trennung in Theile, eine Zersplitterung in vieles und mannigfaltiges Theildaseiu , au sich zeigt, nicht existirt. Von dieser Art ist nun aber die Welt, wie sie uns durch die Sinne erscheint, und Parmenides spricht daher der Welt der sinnlichen Erscheinung die wirkliche Existenz ab. Zwar spiegeln uns unsere Sinne, das urtheilslose Auge und das schallende Ohr, ein Sein des Nichtseienden, ein Vieles, ein Werden und Vergehen u. s. w. vor (v. 55); aber das ist ein Irrwahn; man muss der Vernunft (koyoc,) und nicht den täuschenden Sinnen folgen (v. 56): nur Eine Wahrheit gibt es, dass das Seiende ist, dass es nur Sein gibt, &)q eaxi (v. 57 f.), dass das Seiende wie Eines in sich so auch das Einzige ist, was Sein hat (v. 96 f.). Theaet. 180, e: a)g sv xe Tiävca eaxl xac saxvjxsv autö sv §auxcp, oOx ex,ov Xwpav, ev ^ xivstxai. Arist. Met. I, 5 dxivvjxov t6 uav).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0103.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


