Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![heit nicht seiend ^); aber da dieser Gegensatz des Lichten und Dunkeln einmal angenommen ist, so soll die Welt nicht aus ersterem allein, sondern aus beiden zusammen abgeleitet werden (v. 122). Diese beiden Elemente also einmal angenommen, so sind sie als die einzige, beharrliche Grundlage aller Erschei- nungen zu betrachten. Sie sind in gleicher Masse vorhanden (v. 125); alle Dinge sind nur Mischungen von ihnen. Je mehr Feuer, Licht, desto mehr Sein, Leben, Bewusstsein; je mehr Kaltes und Starres , desto mehr Leblosigkeit ^). Je nach den Mischungsverhältnissen des Warmen und Kalten richtet sich die Vollkommenheit eines jeden Naturprodukts und so insbe- sondere die des Menschen. Die Natur der Bestandtheile des Körpers ist im Menschen Ein und Dasselbe mit Dem in ihm, was denkt, wie im grossen Ganzen Sein und Denken unge- schieden sind, und auf die Art der Mischung des warmen und kalten Elements im Körper des Menschen, auf den Grad des Vorherrschens des erstem kommt es daher au, welchen Grad von Verstand er besitzt '^). Diese Physik des Parmenides er- innert auffallend an diejenige des Heraklit, namentlich , sofern Parmenides das Naturleben aus einem Gegensatz von Ursachen und alle Lebendigkeit und Thätigkeit aus Licht und Wärme ableitet. Dass Parmenides die Schrift des Heraklit gekannt hat, geht aus einer Stelle seines Gedichts hervor, in welcher er gegen dessen Ansichten streitet. Wenn er v. 46 ff. die Be- hauptung erwähnt und verwirft, dass Sein und Nichtsein iden- tisch seien, so hat er hier offenbar den Heraklit im Auge, dessen Lehre so zu deuten sehr nahe lag ^). Damit stimmt es ganz 5) So auch Arist. Met. I, 5, 25 f. Kaxä p,sv xö öv xö •9'sp|i.6v xäxxst, •9-äxspov ÖS xaxä xö \iri ov. 6) Vgl. Arist. Met. I, 3, 19 f. Orig. PMlos. T, 11: uöp Xsywv xal yvjv xäg xou Tiavxög äcp^^Z, ^^^ P-sv y^v &c, öXigv, xö Ss u-jp töc, aix'.ov xat tlOiqöv. Simpl. Phys. 9: xö Ss uöp &g uoctjxlxöv araov. Cic. Acad. II, 37: ignem qui moveat, terram quae ab eo formetur. D. L. IX, 21. 7) v. 145 ff.: (bg yäp Ixdaxqj sx.st. xpaatg [isAswv TtoXuTtXdcYxxoiv, x(bg vöog dvO-pcüTioiat TiapsGxyjxsv • xö yäp auxö iaxtv , ÖTisp qspovssi, (jlsXscüv lyüatg ava-pcüTcotai xod Tcäoiy xal uavxc. Theophr. de sensu 8 f.: je nachdem das Warme oder das Kalte (in einem Menschen) überwiegt, wird seine Stdcvoicx eine andere, ßsXxtcov Ss xal xaO'apwxspa ■?] Stöc xö •a-spp.öv. 8) V. 46 fF. sagt Parmenides: ßpoxol siSöxeg ouSsv uXä^ovxai S t xp a v o i...,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0105.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


