Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![Seins. Aehulich wie Parmenides sucht er zu zeigen, dass dem Einen Sein weder Entstehen noch Vergehen, weder Wachsen noch Abnahme, weder qualitative noch örtliche Veränderung (Fr, 1. 11—13), auch nicht Körperlichkeit zukomme, weil diese eine Mehr- heit von Theilen voraussetzte (Fr. 16). Die sinnlichen Wahrneh- mungen, die uns eine Vielheit und Mannigfaltigkeit vorspiegeln, täuschen uns; denn wäre all dieses Mannigfaltige wirklich, so müsste es sich als seiend uns darstellen, und nicht als in ste- tem Werden und steter Veränderung begriffen; nun aber er- scheint uns das Warme im Uebergang zum Kalten, das Harte zum Weichen, das Belebte zum Todten oder umgekehrt, wir sehen nie ein wahres, sondern immer nur ein scheinbares Sein, ein Nichtmehrsein des Seienden, ein Sein des vorher nicht Seienden, somit überall das Gegentlieil des wahren Seins (Fr. 17). Melissus scheint, wie aus seinen Fragmenten hervorgeht, die eleatische Lehre zunächst im Gegensatz gegen die jonische Phy- sik entwickelt zu haben , und in der That hatte er, unter Jo- niern lebend, die allernächste Aufforderung, diejenige Seite des eleatischen Prinzips hervorzuheben, welche gegen die damals noch blühende jonische Naturphilosophie festzustellen war. Allein eben aus diesem seinem Verhältniss zu den jonischen Physikern scheint auch ein ihnen befreundetes Element seiner Lehre zu stammen. Als das Eigenthümliche seiner Lehre gibt nämlich Aristoteles die Behauptung an, das Eins sei unendlich (Met. I, 5, 20), was auch die Fragmente bestätigen ; Melissus erklärt das Seiende für aixetpov, weil es weder Anfang noch Ende habe (Fr. 2); in dieser Unendlichkeit des Seienden fand er seine Einheit begründet, sofern es nicht zwei Unendliche zugleich oder neben einander geben könne ^). Nach Aristoteles ist diese Unendlichkeit des Seienden für Melissus, wie für Xe- nophaues, zugleich unendliche Stoifausdehnung (a. a. 0.: iv xaxa uXvjv) ^), wogegen er die Möglichkeit eines leeren Raums, sofern damit ein Existiren des Nichtseienden gesetzt wäre, für 1) Fr. 3: si 5s äustpov [xb eöv], äv sl yäp Süo sItj, oüv. ocv Süvaixo ä.nzipot. slvai, dXX' sxot, äv Ttspaxa Kpbc, dcXXyjXa ■ änsipov 5s tö iöv, ou% apa uXeco t« idvTa ■ SV apa, zb §öv. 2) Wie hiemit die Unkörperlichkeit des Seienden (Fr. 16) zu vereini- gen sei, ist nnklar.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0112.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


