Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![Auszüge daraus gibt eine unter den Werken des Aristoteles auf uns gekommene Schrift ^), sowie Sextus Empirikus adv. Math. VII, 65—86. Später scheint Gorgias diese dialektische Sophistik aufge- geben , und sich ganz auf die Rhetorik beschränkt zu haben. Namentlich bei Plato erscheint er nur als Lehrer der Rede- kunst. So wird im Meno 95, c von ihm gesagt, er verlache die übrigen Sophisten, wenn sie sich für Lehrer der Tugend ausgeben, und erbiete sich nur dazu, Fertigkeit der Rede rait- zutheilen. Auch im Gorgias 449, a ^) gibt er auf die Frage, was seine Kunst sei, zur Antwort: die Redekunst. Li der That hat er das Verdienst, die Beredsamkeit zu einer Kunst ausge- mittlieilbar T(p ueXag. Die Beweisführung ist meist den früheren Philoso- phen, zunächst dem Zeno, entlehnt, und nicht viel werth. Eigenthümlich und für die Erkenntnisslehre von Belang sind nur folgende Sätze: Das Seiende ist nicht erkennbar; denn Erkennen ist Vorstellen (wir er- kennen nur, indem wir vorstellen); Vorgestelltes aber ist nicht = Seien- des (to cppovoöjJLevcc ou% saxi xcc bvzrj.), da man sich ja auch Nichtseiendes vorstellen kann (d h. ein Kriterium davon, ob unsern Vorstellungen ein Sein entspricht, baben wir nicht, weil wir nicht das Sein selbst, sondern nur eine Vorstellung von ihm haben, das Vorstellen aber auch das Nichtseiende in sich befasst). Das Seiende ist nicht m i 11 h e i 1 b a r, auch wenn es erkennbar wäre; denn das Wort ist nicht die Sache (jjiyj sTvat, xä Tcpäyiiaxa /löyoug), das Wort kann Töne, nicht aber Anschauungen mittheilen, es kann zu hören , nicht aber zu sehen geben, und: es ist keine Sicherheit dafür da, dass Diejenigen, welchen durch das Wort et- was mitgetheilt wird, sich bei dem Wort Dasselbe denken, was der Mit- theilende sich dachte, da sie sowohl von Diesem als unter einander selber verschieden sind und sie somit möglicherweise das Gesagte auch ganz verschieden (von Jenem und unter einander) auffassen. 9) Sie führt den Titel de Xenophane, Zenone et Gorgia; s. über die- selbe Z e 11 e r I, 464—485. 10): [laXXov os, (5 Topyia, auxög '^p,tv sms, xiva as )(pY] xaXeiv &c, xtvog eraaxv^fiova xiyyyiq,. Gorgias: xf\c, pv]xoptxf;g. Sokr.: ouxouv xal (XXXous as qjwjj-sv Suvaxöv sTvai uoisTv; Gorgias: eTxayysXAoiiaö ys oyj xaüxa. Diese Ant- wort des Gorgias ist der Ausgangspunkt des platonischen Gesprächs die- ses Namens, in welchem sofort vom Verhältniss der Redekunst und Staats- kunst zur Gerechtigkeit und Tugend und vom Verhältniss des Angeneh- men zum Guten gehandelt wird, in der Absicht zu zeigen , dass Beide verschieden, dass subjective Annehmlichkeit und Willkür nicht das Gute sei, dieses vielmehr in etwas ganz Anderem, in Beherrschung des sinnlichen Begehrens und in uneigennützig sittlichem Streben und Wirken, bestehe. Schwegler, Gesch. d. griech. Philosophie. 3. Aufl. 8](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0125.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


