Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![Hebamme, worauf Sokrates in Plato's Theätet p. 149 scherz- haft anspielt, indem er von sich sagt, er treibe dieselbe Kunst, wie seine Mutter, die geistige Hebammenkunst (Mäeutik) ^). Von seiner Jugend und Bildungsgeschichte ist wenig bekannt. Er soll anfangs die Kunst seines Vaters, die Bildhauerkunst, betrieben haben (D. L. H, 19); noch Pausanias, der Perieget, sah auf der Akropolis die Statuen dreier bekleideter Grazien, die Sokrates' Namen trugen ^). Als seine Lehrer in der Phi- losophie werden Anaxagoras und Archelaus genannt^): allein diese Angabe verdient keinen Glauben *). Er mag wohl mit philosophischen Männern Umgang gehabt haben, z. B. mit Pro- dikus : aber dass er nicht aus einer eigentlichen Philosophen- schule hervorgegangen, nicht förmlicher Schüler eines andern Philosophen gewesen ist, sondern seine philosophische Denk- weise sich selbstständig gebildet hat, sagt er bei Xenophon selbst (Symp. 1, 5: T^[xag öpäc, auxoupyous xivccq xfic, cptXoaocpcas övxas), und es folgt diess auch aus der völligen Neuheit seiner philo- sophischen Richtung, Dagegen hatte er sich schon frühe in den gebildeten Kreisen Athen's bewegt; er war bekannt ge- wesen mit der geistreichen Aspasia, daher er sich öfter scherz- haft als ihren Schüler bezeichnet ^), er war Freund des Musikers 1) Plat. Theaet. 149, a: sTxa oöx dxT^xoag, feg Syo) £l|jn, uibc, [xatag jjiäXa Ysvvatag, <l>aivapety)5; Theät.: yjStj toötö ys 'i^xouaa. Sokr.: äpa xal 8u ini- xYjSsuQ) TVjv auxrjv xexvTjv, ax7]xoag; Theät.: ouSaiiwg. Sokr.: dXX' s5 la%-i 5x1. Vergleichungspunkte: dass Sokrates zwar nicht selbst »Weisheit gebären« kann und will (weil er nicht den Anspruch macht, etwas Neues, eine Theorie oder Doctrin aufzustellen), dass er aber wohl zu unterschei- den versteht, ob die Geistesgeburten Anderer acht und wahr, oder Lüge und Schein sind, und dass er Andern dazu verhilft, Schönes und Gutes zu finden und ans Licht zu bringen; desgleichen, dass er sich darauf versteht, Solche, für die seine Hilfe nicht die ihnen zuträgliche Aväre, zu andern für sie passenden Geburtshelfern zu bringen (p. 151). In letzte- rer Beziehung schreibt sich Sokrates auch die Kunst zu kuppeln, p,aatpo- Tceia, zu, Xen. Symp. 3, 10. 4, 56 ff. 2) Paus. IX, 35, 7 : Stoxpdxvjs xs 6 SwcppovJaxou npö ifiz Ig xtjv axpo- uoXiv loöSou Xapixwv elpyäaaxo dyäX|iaxa 'A'S-TjvaCoLs' xal xaöxa |j,sv äaxiv ö\i.ol(üc, duavxa ev saS-vjxt, (wogegen die jüngeren Statuen dieser Göttinnen unbekleidet gebildet wurden). 3) D. L. II, 19. 23. 45. 4) Vgl. S. 43. Anm. 8. S. 46. 5) Xen. Mem. II, 6, 36: \ia. Af ouX; ös ''^oxz eyöj 'AoTiaaiag v^xoüoa.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0130.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


