Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![Dichter, Lykon , ein Redner, und Anytus ^^), ein Demagog, zogen ihn vor das Volksgericht. Die Anklage ging dahin , er glaube nicht an die Götter, an welche der Staat glaube, son- dern führe neue dämonische Wesen (xacva Sat[Ji6vta) ein, und er verderbe die Jugend, indem er sie zur Verachtung der Staats- verfassung , zur Gewaltthätigkeit gegen das Bestehende, zum Hochmuth gegen Aeltere, gegen Väter und Freunde ve^'leite (D. L. II, 40. Xen. Mem. I, 1 und 2. Plat. Apol. p. 23 ff.). Die Anklage war zwar falsch, namentlich der Vorwurf, dass Sokrates die Staatsgötter nicht verehre, völlig grundlos, und die Behauptung des Scacp^S-ecpecv zobc, veoug eine böswillige Aus- beutung der Thatsache, dass Sokrates seine Freunde allerdings zu unabhängigen Selbstdenkern , nicht aber zu überzeugungs- losen Schmeichlern des Demos und seiner Führer noch sonst Jeraands heranzog; aber ebendeswegen war die Stimmung wider ihn; sowohl die Ankläger als die Richter gehörten zu der wie- der an's Ruder gekommenen demokratischen Partei; Anytus nach Plat. Eutyphr. c. 1 ein junger und nocli unbekannter Mann, v^og xal ayvcüg. Meletus wird von Alten »Dichter« {Koirix-qg) genannt, und es heisst z. B. in Plato's Apologie p. 23 e: Meletos habe den Sokrates ange- klagt uusp Töv Ttoiyjxtüv &x^ö\i.ewz. Und es gab allerdings einen berühm- ten Tragiker dieses Namens. Die Alten identifiziren ihn mit dem An- kläger des Sokrates. Hermann zeigt, dass diess unmöglich sei. Denn nach den Schol. in Plat. Apol. p. 18 ist dieser Tragiker Meletus schon in den ums Jahr 424 aufgeführten Fscüf-Yol des Aristophanes verspottet worden: während der Ankläger des Sokrates (399) nach Plato ein junger und unbekannter Mann war. Hermann vermuthet schliesslich, der Tra- giker Meletus sei der Vater des Anklägers des Sokrates gewesen. 18) Sein Vater Anthemion war nach Plat. Men. 90 A ein dvY)p uXo6- aiQC, xal oocpög, og lyevsxo nXoöaioc, oux unö zoü aöto|j,äxou, aXXä z~q o-bioü aocpicj: %xY]aä|i£vo5 >tal sTu^islBiq.. Er selbst war — nach Schol. in Plat. Apol. p. 893, a, 4: TxXoüatog eu ßupaoostjjixyig (Gerberei): d.h. er unterhielt Scla- ven, die dieses Handwerk trieben, C. Fr. Hermann, Gr. Priv. Alterth. § 42. not. 10. Er wurde, wie Xenoph. Apol. §29 sagt, von den Athenern der ersten Ehrenstellen (xföv [isycoTcov) gewürdigt. Plat. Men. 90, b: cd- poövxai auxöv sul xäg [isyiaxag dpx.äg. Nach Diod. 5111, 64 wurde er mit 30 Schiffen nach Pylos abgeschickt, um die Stadt zu entsetzen. Ange- klagt wegen angeblichen Verraths von Pylos bestach er die Richter, ebd., cf. Arist. ap. Harpocr. v. Sixd^wv. Plut. Coriol. 14. Er war ne- ben Thrasybul vorzüglich thätig für die Wiederherstellung der Demo- kratie.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0137.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


