Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![namentliche^) war Einer der Verbannten gewesen, die mit Thrasybul zurückgekehrt waren, und die Herrschaft der Dreis- sig gestürzt hatten. Sokrates vertheidigte sich mit dem Stolze der Unschuld; allein er wurde, obwohl nur mit einer Mehrheit von wenigen Stimmen, für schuldig erkannt^*'). Doch hätte er auch jetzt noch der von seinen Anklägern beantragten Todes- strafe entgehen können, wenn er sich dem ürtheil des Volks- gerichts unterworfen und eine andere Strafe gegen sich bean- tragt hätte. Als er jedoch statt dessen die üeberzeugung aus- sprach , öffentliche Speisung im Prytaneum verdient zu haben (Plat. Apol. 36, d), erbitterte dieses Selbstgefühl die Richter so sehr, dass er mit einer weit grössern Stimmenmehrheit zum Tode verurtheilt wurde ^^). Er trank, die Flucht verschmähend, nach dreissigtägigem Aufenthalt im Gefänguiss den Schierlings- becher, im 70sten Lebensjahr, im Jahr 399 v. Chr. Sein Tod verklärte ihn in den Augen seiner Schüler vollends zu jenem urbildlichen Charakter, als welchen ihn besonders Plato aufge- fasst und verherrlicht hat ^^). 19) Er war der Hauptankläger und wird aucli in der Aj)ologie Pla- to's so behandelt (p. 18. 29. 36); Meletus lieh nur seinen Namen zur Anklage. 20) Plat. Apol. 36, a: sc Tpstg [lövai |j,sxs7isaov xcov cj^fjcpwv, ditOTiscpeüyvj äv. 21) Dieser Richterspruch ist im Alterthum und in der neueren Zeit verschieden beurtheilt worden. Der ältere Cato urtheilte, xöv HoüxpccTyj XdXov xal ßCaiov y£v6|xsvov kmx^ipBl'^, (p xpömp Suvaxöv '^v, xupavvslv xvjg ixa- xpiSog, xaxaXüovxa xd sd-ri xal Tcpog ivavxiag xoig vö[ioi.g Sögag sXxovxa xal [j.sO'iaxävxa lobc, jxoXixag, Plut. Cat. maj. 28. Ebenso von den Neueren Forchhammer, die Athener vind Sokrates, die Gesetzlichen und der Revolutionär 1837. Gegen ihn Limburg-Brouwer, Apologia Socratis contra Meliti redivivi calumniam, Groningen 1838. ßendixen, Ver- muthungen über die Tendenz des revolutionären Sokrates 1839. H e i n- sius, Sokrates nach dem Grade seiner Schuld 1839. 22) Die Ankläger des Sokrates sollen bald nach dessen Tod, Olymp. 95, gestraft, Meletos sogar getödtet worden sein. Diess läugnenF orch- hammer S. 66 und Grote, Bd. VIII, p. 675. Die Tradition verthei- digt Hermann de Soor, accus, p. 8. Forchhammer urgirt Xenophon's Stillschweigen : mit Recht: Xenophon hätte sich gewiss zu Sokrates Gun- sten und Rechtfertigung auf diesen Akt der Reue berufen. Hermann beruft sich auf Isoer. Permut. § 19: ol^iai S' ö[iöcg oux dyvosTv, öxi x^ ttöXsi, TtoXkäync, oöxwg YjSy] |j.£xetieXv]as xwv xptoewv xwv |jl£x' öpy^g xal (iVj {xex' kXi^)(ou YSVO[j,evü)V, wax' ou tioXüv xpöwj SiaXmoöaa uapa |i§v xöiv SgaTtaxTj-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0138.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


