Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![es gibt hierüber keine sichere Ueberlieferiing, Ueberhaiipt ist Alles, was von den philosophischen Ansichten des Thaies be- richtet wird, noch gänzlich sagenhaft; eine Schrift von ihm wird nirgends angeführt ^*'), und Aristoteles nennt, wo er von ihm spricht, immer nur die Sage als seine Quelle ^■^). Wenn ihm daher spätere Berichterstatter sehr entwickelte Philoso- pheme, z. B. die Idee einer Weltseele oder eines weltbildenden Geistes ^^) (voo^), die Unsterblichkeitslehre ^^) u. s. w. zuschrei- ben, so sind diess Angaben, die nicht aus ächter Ueberlieferung stammen, mit ausdrücklichen Erklärungen des Aristoteles im Widerspruch stehen, und daher keinen Glauben verdienen ^*). Nach Aristoteles, dem einzig sichern Gewährsmann hat sich dens aus einer Verdichtung und Verdünnung des UrstofFs hergeleitet (ap. Simpl. in Phys. foL 32). 10) Arist. de anim. I, 2 : eoixs xal Sot-Xfiz, Ig tov dTio|jLV7][jiov£6ouai, xivvjTiJtov TL T7]v ^'uxvjv uTxoXaßsTv, siTisp TÖv Xl%-oy (Magnetstein) icpvj <\iuyjiv sxsiv, oxc x6v otöTjpov xivsT. Diog. L. I, 23: xaxä xivag abYYpc<.\i\iO(. xaxsXmev ouSsv. 11) M. Anm. zu Met. 1, 3, 8. Z. B. Arist. Met. I, 3, 11 : GaXy^g X s- Y s X a I. oüxcog dTxocp'/^vaoö-aL De coel. II, 13: (xvjv yfjv Iqj' öSaxog xsTa^S-ai), Touxov dp^aioxaxov uapstXTjcpajxsv tbv Xöyov, Sv cpaaiv sItteTv öaX'^v xöv MiXvjoiov. Polit. I, 11: ©aX^g [xev o5v Xsysxat. xxX. 12) Cic. de N. D, I, 10: Thaies Milesius aquam dixit esse initium rerum, deum autem eam meutern, quae ex aqua cuncta fingeret. Stob. Belog. I, p. 56: QccXriq voöv xou xöajjiou x6v ■9-söv, x6 6s ttöcv s[j,4)UX,ov a|jia xal ■9'Sü)v Tilripec,. Die Lehre vom Geiste findet sich zuerst bei Anasagoras. 13) Diog. L. I, 24. 14) Grundlos ist es auch, wennBrandis vermuthet (1.117), Thaies habe zu dem Urstoff eine Urkraft hinzugedacht. Er folgert diess aus den von Aristoteles überlieferten Behauptungen des Thaies, Trocvxa nXrjpy} ■9-SÖ3V slvai, Alles sei voll von Göttern (de anim. I, 5), und der Magnet habe eine Seele, weil er das Eisen bewege (de anim. I, 2 ob. Anm. 10). Aus diesen Aussagen lässt sich jene Folgerung nicht ziehen. Die zweite derselben besagt vielmehr blos diess: Th. führt die Kraft etwas zu bewegen auf eine 4JX'^ zurück; die erste dehnt diess dahin aus, dass überall in der Welt höhere seelenhafte Wesen sind, die in ihr be- lebend und schaiFend wirken. Thaies lehrt durchgängige Beseeltheit der Materie (Hylozoismus), weiter nichts. Aristoteles läugnet ausdrücklich, dass die ältesten Physiologen die bewegende Ursache vom Stoff unterschieden haben (Met. I, 3, 15. 18), und sagt von Anaxagoras, er habe mit seinem weltordnenden voug eine grosse Neuerung aufgebracht (I, 3, 23).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


