Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![Bruchstück seiner Schrift, das auf uns gekommen ist, — »Luft seiend uns zusammenhält, so umfasst Hauch und Luft die ganze Welt« ^). Die Analogie des thierischen Lebens, das durch Luft und Athmen bedingt ist, war es hienach, was den Ana- ximenes bewogen hat, das Lebensprinzip des Universums in der Luft zu suchen. Dass er hiebei eine andere als die atmosphä- rische Luft, nämlich ein feineres, sinnlich nicht wahrnehmbares Element im Auge gehabt hat, wie Brandis und Ritter anneh- men, lässt sich nicht erweisen. 3. Bndlich hat Anaximenes näher nachzuweisen gesucht, wie die Welt aus diesem Urwesen hervorgegangen ist. Den Grund ihrer Entstehung findet er, wie Anaximander, darin, dass das Urwesen, als Prinzip des Lebens, in beständiger Bewegung und Selbstverwandlung begriffen ist; den Process der Verwand- lung lässt er durch Verdichtung (rcuxvwat?) und Verdünnung ({xavtoaig, dpacwai?) des Urstoffs vor sich gehen. Verdünnt wird nach ihm die Luft zu Feuer, verdichtet zu Sturm, Nebel, Was- ser, Erde und Stein, aus welchen Stoffen sodann die übrigen Körper hervorgehen (Simpl. Phys. fol. 32). Ergebniss: Die drei ersten jonischen Naturphilosophen haben somit 1) die Substanz oder das Grundwesen der Dinge aufgesucht; 2) diese Substanz in einem materialen Grundstoff, den sie verschieden bestimmten, gefunden; 3) aus diesem Ur- stoff die Grundformen und Grund unterschiede der Natur abzu- leiten gesucht. § 9. Uebergang auf die Systeme der Causalität. War das Nachdenken der ältesten Philosophen vorzugs- weise darauf gerichtet gewesen, den letzten Stoff der Dinge zu ergründen, so musste eine fortgesetzte Reflexion darauf führen, die Thatsache, dass alles existirende Sein dem Gesetz des Wer- dens, der Veränderung, des wechselnden Entstehens und Verge- hens unterworfen ist, (wie theilweise schon Anaximander gethan) ins Auge zu fassen und nach den Gründen hie von zu fragen^). 2) Plut. de plac. philosophorum T, 3, 6. Stob. Eclog. I, p. 296 : olo^ ■Yj '\)U-/r] i] ■^[iSTepoc dTjp oöaa auyxpaxsT r/[Jiag, xac SXov xöv xöojjlov uvsö[Jia xac 1) Arist. Met. I, 3, 14 ff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


