Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![(Fr. 72 Schi.), steigen wir hinab und steigen auch nicht hinab. Denn (Fr. 20. 21) in denselben Strom vermag man nicht zwei- mal zu steigen, sondern immer zerstreut und sammelt es sich wieder, immer strömt es zu und strömt es ab.« Auch Plato, der älteste Zeuge, gibt das Wesen der heraklitischen Weisheit dahin an, dass Alles sich wie ein Strom bewege ^^), dass die Dinge gehen und nichts fest bleibe ^^), dass also niemals irgend etwas eigentlich sei, sondern Alles immer nur werde ■'^). Folge- richtig musste Heraklit der Sinnenwahrnehmung, sofern sie uns ein beharrendes Sein der Einzeldinge vorspiegelt, die Glaub- würdigkeit absprechen. Dieselben Sinne, Aug' und Ohr, welche der Eleat Parmenides beschuldigte, dass sie uns statt des wan- dellosen Seins fälschlich ein Werden vorspiegeln, klagt Heraklit des entgegengesetzten Betrugs an , nämlich dass sie das ver- fliessende Werden in ein ruhendes Sein verwandeln^*). Nur wer eine gebildete Seele hat, welche hinter dem Schein das Wahre zu erkennen weiss, kann aus der Sinnenwahrnehmung richtige Erkenntniss schöpfen und wird durch sie nicht irre geführt ^^). 2. Der Process des Werdens. Eine wesentliche Folge der Lehre Heraklit's vom ewigen Kreislauf des Werdens war die, dass Alles nicht blos in Be- wegung überhaupt, sondern zugleich in Gegeneinanderbewegung oder Gegeneinanderlauf (evavTcoxpoTirj, £vavxco5po[xca) und daher auch in Widerstreit und Kampf begriffen ist. 1) Aus der un- erschöpflichen Lebendigkeit des Werdens ergibt sich von selbst, dass das Urprinzip alle möglichen Gestaltungen der Existenz 11) Theaet. p. 160. 12) Cratyl. p. 401: a/sSöv u au oöxot, xa^)-' 'HpäxXsLxov äcv •yjyotvco xa ovxa Isvat xs Tiävxa xal [isvsiv ouSev. p. 402: Asyst nou 'HpäxXeixog, 5x(, udvxa y^tüpsX xal ouSsv ^jievet., xal Tioxajiou po^ äusixä^wv xcc övxa Aeyst, wg Slg dg xöv auxöv 7ioxa|JLÖv oöu Ifißaiyjs. 13) Theaet. p. 152. 14) Fr. 42: O-dvaxög laxiv ouöaoc syep'S-svxes 6pso[i£V (weil wir überall Festes, Starres zu erblicken glauben). In diesem Sinn ist auch die An- gabe Diog. IX, 5 richtig: X7]v Spaaiv c^eüSsaS-at. 15) Fr. 22: Kaxol [xdpxupsg dvO-pwTxoioiv öcp'ö-aXiioi xal d)xa ßapßäpoug](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


