Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![welche nicht in Einer Linie, sondern in stets entgegengesetzter Richtung, stets Gegensätze einander gegenüberstellend vorgeht, bald dahin, bald dorthin ausweicht, und doch diess Alles in unwandelbarem Zusammenhang und Zusammenwirken mit ein- ander erhält; so ist es bei Lyra und Bogen: sie sind einge- richtet zu einer Bewegung, und zwar zu einer Bewegung, wel- che zunächst nicht gerade vorwärts, sondern (beim Anziehen der Saite und der Sehne) zuerst rückwärts, dann erst vorwärts, wieder rückwärts geht u. s. f., also zwischen schlechthin ent- gegengesetzten Richtungen hinundherschwingt, so jedoch, dass dieses Hinundherschwingen weder vor- noch rückwärts zu weit ausschweift, sondern in stets gleichförmiger Wiederkehr bleibt (weil Saite und Sehne in die Lyra und den Bogen fest einge- spannt sind); diese Harmonie eines in Gegensätze auseinander- weichenden , aber dieses Auseinanderweichen in festem Gleich- gewicht haltenden Sichbewegens ist, wie sie in Lyra und Bogen ist, auch im grossen Universum ^^). Und dieses Gegeneinander- 18) Plat. Symp. p. 187 A: xö ev cpyjot Siacpspöfisvov auxö auxw gufi-fs- psa^-ai, öoTisp dpiJLOviav xögou xs v.a.1 Xüpag. Sophist, p. 242 C: xö öv Sia- cf)sp&[j,£vov dsi guticpspsxai. Plut. Is. et Osir. 45: TiaXivxovog ap[j,ovivj xöa- [xou, oxcoanep XöpTjs xal xö^ovi. Orig. Phil. IX, 9: ou guviaatv Sxwg [x6 Tiav J dt,a(yepö[jLsvov sooüxcp öiioXoyssr TcaXiv x p o u o g apiioviv] Sy.waTisp xögou xal XüpTjs. In der zweiten Auflage hatte ich mit den meisten Neuern, ob- schon nicht ganz ohne Bedenken, die Vergleichung mit der Harmonie des Bogens und der Lyra auf die Form dieser Instrumente bezogen (»wie ß. und L. nicht abstract einheitliche Form haben, sondern nach beiden Seiten in 2 Arme von stark ausgebogener Kurve auseinander gehen und eben dadurch, dass sie so aus scheinbar auseinanderstreben- den Theilen sich zusammensetzen , ein harmonisches Gebilde sind, was z. B. ein gerades Stück Holz nicht wäre, weil in ihm kein Gegensatz ist, so ist das Eine Urprincip des Weltalls in der Art mit sich eins, dass es sich in Gegensätze spaltet« u. s. f.). Ich glaube nunmehr, dass diese Beziehung auf die Form nicht zu halten ist. Sie hat etwas Gesuchtes, an sich und besonders bei einem Philosophen wie Heraklit, sie stimmt nicht dazu, dass er seine Vergleichungen nicht gern im Künstlichen auf- sucht, und dass er gewiss gerade hier eine populär anschauliche Verglei- chung aufstellen will. Ztt einer solchen (wie zu H.'s philosophischer Denkweise) passt nur die Hinweisung auf die Bewegung-, zu welcher B. und L. eingerichtet sind. Auch das rraXtv xp o tc o g stimmt hiezu besser. Aehnlich Schleiermacher S. 66 f.: in H's Spruch »wird mit der Zu- sammenfügung der Leier und des Bogens verglichen die Zusammen-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


