Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![3. Das Feuer. Das Element, in welchem die Kraft des Werdens waltet, das Element, aus welchem durch sie die Stoffe und Dinge der Welt in ewigem Fluss, in ewiger Wandelung und Umsetzung hervortreten, ist nach Heraklit das Feuer, Was ihn bewogen hat, dem Feuer diese Rolle anzuweisen, ist die bewegliche Na- tur dieses Elements, vermöge der es als das treueste Abbild ruhelosen Lebens erscheint, und zwar genauer seine ebenso be- fruchtende und belebende, als auflösende, zersetzende, verzeh- rende, neue Bildungen und Verbindungen bewirkende Kraft; und zugleich glaubte Heraklit wohl, aus diesem feinsten der Elemente mittelst eines Processes seiner Umwandlung in grö- bere Stoffe die ganze Mannigfaltigkeit der in der Erscheinungs- welt gegebenen Substanzen am besten ableiten zu können. Alles ist aus dem Feuer, Alles ist Verwandlung des Feuers (d[ji,oißY] Tiupbc, Diog. IX, 8 ; xpourj uupog Fr. 25 Schieierm,). Wie das Einzelne in der Welt in stetem Werden und Wechsel ist, so zu allererst das Elementarfeuer, von welchem Alles stammt; es ist in einem ewigen Process der Abnahme und Wiederzunahme seiner Kraft, des »Erlöschens und Wiederaufflammens«, des Erkaltens und Erstarrens, des wieder warm, flüssig und beweg- lich Werdens begriffen. Durch diesen Process entstehen die Stoffe, aus welchen die Welt besteht; das Feuer verwandelt sich nämlich in dem Maasse, in welchem seine wärmende Kraft abnimmt, in gröbere Formen der Existenz, es gestaltet sich stufenweise um, zuerst zu Wasser, dann zu Erde; gewinnt es wiederum das Uebergewicht über diese Negation seiner ursprüng- lichen Existenz, so legt es den umgekehrten Weg zurück^*). Den ersteren Process, das stufenweise Erlöschen des Feuers zu Wasser und Erde, nennt Heraklit den Weg nach unten (wo- hin die schweren Stoffe sich senken), xdxü) boog, den zweiten 24) Spätere schieben als vierte Stufe die Luft ein, die bei H. selbst theils mit dem Feuer, der warmen, theils mit dem Wasser, der feuclitdun- stigen Substanz, zusammenfällt (Marc. Aurel. IV, 46: Die Luft lebt den Tod des Feuers, das Wasser lebt den Tod der Luft, die Erde den des Wassers, yf]? ■9-ävaxog uSwp ysvsaö-ai, xal ö§axog O-ävaTOg aspa ysysa^S-ai, xal äepog Tiup, V.OU lixTiaXiv).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


