Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![4. Heiaklits' Lehre vom Menschen. Das Detail der Physik Heraklit's ist hauptsächlich eine folgerichtige Durchführung der Grundidee seines Systems, dass das Feuer das Prinzip alles Lebens, aller Kraft, alles Guten sei. Der Werth und die Realität eines jeden Dings richtet sich nach dem Maasse des ihm innewohnenden feurigen Lebens- elements. Je mehr Wärme, desto mehr Bewegung und Lebens- kraft ; je mehr Nässe und Kälte, desto mehr Starrheit und Tod. Auch die Seele, den Mittelpunkt der Lebenskraft und Selbst- bewegung, stellt Heraklit unter diesen Gesichtspunkt: er hält sie für trockenen Dunst (^r^pa ava.%'U[ii<xaic, — Schi. S. 114), und erklärt die trockene Seele für die weiseste und beste ^^). Aus demselben Grunde verdammt er die Trunkenheit, weil sie die Seele nass macht (Fr. 59), die Nässe aber der Seele Tod ist (Fr. 49). Grossen Werth legt Heraklit gleichfalls in Einstimmung mit den obersten Grundsätzen seines Philosophirens darauf, dass die Seele ihren Zusammenhang mit dem allgemeinen Prin- zip des Lebens und der Ordnung in der Welt bewahre, dass sie nicht am Einzelnen, dem nur eine beschränkte und vorüber- gehende Scheinexistenz zukommt, festklebe, sondern Dasjenige erkenne, befolge und wolle, was allein unter dem ruhelosen Wechsel flüchtiger Erscheinungen Wahrheit und Bestehen hat, nämlich die allgemeinen und unabänderlichen Gesetze, in wel- chen alles Daseiende sich bewegen muss. Heraklit fasst diess sowohl physikalisch, als ethisch. Physikalisch lehrt er, dass die Seele aus der in der ganzen Welt verbreiteten vernünftigen Feuersubstanz, von welcher sie selbst ein Theil ist, stets neue Nahrung an sich ziehen muss, wie der Körper aus niedern Stoffen; wie Kohlen verlöschen, wenn sie zu lang vom Feuer entfernt bleiben, aber in seine Nähe gebracht sich entzünden, ähnlich ist es auch mit der Seele; sie bleibt dadurch vernünftig, dass sie sich der vernünftigen Weltsubstauz öffnet und sie in sich aufnimmt, was nach Heraklit durch den Athmungsprocess 33) Fr. 61 : aövj cp^X^ aoqjwxocxv] v.oi.1 dpcaxv]. Vgl. Fr. 60: »wo das Land trocken ist die Seele die weiseste und beste.«](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0046.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


