Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![Gesetz das Ungleichartige sich trenut, das Gleichartige sich vereinigt und so das Weltgebäude mit seinen verschiedeneu »Elementen« (Wasser u. s. w.), Weltkörpern und Einzelwesen entsteht. Auf diesen Widerspruch haben schon die Alten, na- mentlich Plato und Aristoteles, aufmerksam gemacht. So er- zählt der platonische Sokrates (Phaed. 97), er habe in der Hoff- nunoj, über die veranlassenden oder Mittelursachen hinaus zu den Endursachen geleitet zu werden und überall die Zweck- mässigkeit der Natur nachgewiesen zu finden, das Buch des Anaxagoras mit grosser Neugierde zur Hand genommen , aber bitter enttäuscht statt einer wahrhaft teleologischen überall nur eine mechanische Erklärung der Natur gefunden. Nicht den Geist gebrauche Anaxagoras zur Einrichtung der Dinge, son- dern Luft, Aether und Wasser gebe er als Ursache an, d. h. er bleibe bei den Mittelursachen stehen (99, b) , statt bis zu den Endursachen vorzudringen. Wie Plato, so klagt auch Ari- stoteles den Anaxagoras an, dass er zwar den Geist als letzten Grund der Dinge setze, aber zur Erklärung der Naturerschei- nungen ihn wie einen Dens ex machina zu Hülfe nehme ^^), d. h. da, wo er die Naturerscheinungen nicht aus natürlichen Ursachen zu erklären wisse. 4. Anaxagoras' Lehre von der Weltbildung. Dem voO?, der nur Ordner oder Werkmeister, nicht Schöpfer der Welt ist, steht nach Anaxagoras als gleich ursprünglich die Materie zur Seite. Diese Materie war, ehe der voög seine sondernde und ordnende Thätigkeit begann, in ungeordneter Mischung, in einem chaotischen Zustand. Mit der Schilderung dieses Urzustandes eröffnete Anaxagoras seine Schrift. Sie be- gann mit den Worten: »Alle Dinge waren beisammen, unend- lich an Menge und Kleinheit« ^°). Dieser Urmischung machte 19) Met. I, 4, 7: 'Avagayöpag |i.v]xav-fl XP'Q'^^'-^ '^^ ^'P ^P°S tv]v xoa[i07roiiav (ein aus den Einrichtungen des Theaters entlehntes Bild), xat Sxav duo- prp'Q, biäi Tiv' aliiav i^ dväyxrjs kazL, xöxe uapsXxsi, aöxöv, Iv Ss xotg dXXocg Txdcvxa [laXXov alxcdxai xöv Ytyvoiisvwv ■5^ vouv. 20) Diog. L. II, 6. Simpl. in Phys. f. 33 (Fr. 1): &\i.oü uävxa xP^Jl^ai:« ■^v, äneipot, v.od uX-^S-og v.od a|Jii,xp6xy)xa. Bei Plato öfters xö xoö 'Ava^ayöpoo „6\i,oü Tiävxa yipri[i«,x(x,, z. B. Phaed. 72.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0058.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


