Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![goras berief sich für diesen Satz namentlich auf die Erfahrung, dass in der Natur »aus Allem Alles wird«^^), Alles in Alles, selbst ins Verschiedenste und Entgegengesetzteste sich verwan- deln kann, was nicht möglich sein würde, wenn nicht in Allem Alles, auch sein Gegentheil, latent mitenthalten wäre. Daher auch das bekannte Paradoxon des Anaxagoras, der Schnee sei schwarz, weil er aus Wasser bestehe, das Wasser aber dunkler Art sei ^^). Alles Einzelne in der Natur ist hiernach einerseits unendlich concret, andrerseits aufs engste unter sich verwandt, nur durch fliessende continuirliche Unterschiede getrennt; die Lehre des Anaxagoras erinnert damit an die Leibnitz'schen Mo- naden, von denen gleichfalls jede das ganze Universum in sich abspiegelt und doch keine der andern vollkommen gleich ist. — Ein weiterer Hauptunterschied von Empedokles ist die Lehre, dass Erkeuntniss und Bewegung nicht Thätigkeiten der Materie, sondern einer eigenen geistigen Substanz, des den Einzelwesen immanenten voug , sind; auch hier geht die Philosophie des Anaxagoras auf scharfe Auseinanderhaltung des qualitativ Ver- schiedenen aus, eine Richtung, welche Empedokles auch einge- schlagen, aber nicht folgerichtig überall durchgeführt hat. Uebereiustimmend mit dieser Betonung der Selbständigkeit des geistigen Elements im Universum ist auch das Wenige, was über die praktische Lebensweisheit des Anaxagoras berich- tet wird. Er soll das äussere Glück für etwas Indifferentes erklärt haben, womit seine schon erwähnte Aeusserung über- einstimmt, dass die Betrachtung des Himmels und der Ordnung des Weltalls dem Leben den höchsten Werth verleihe; in wissen- schaftlicher Weise hat jedoch auch er die praktische Seite der Philosophie noch nicht angebaut. 31) Fr. 6: tä |isv ocXXtx (ausser dem voög) uavxög [xoTpav [isxsxet, . . . ., kv Tiavxl Tcavxög p,otpa svsaxt. Fr. 13: oö -xs^copLoxaL xa Iv xcj) §vl xöajiqj ou8e (ZTxoxsxoTxxat, TtsXdxsV, ouxs xö O-spiJLÖv anb xoö '\)uxpoQ ouxe xö cp^xpöv duö xoö ■9-Ep[iou. Arist. Phys. III, 11: öxioijv xwv [iopLoiv sTvat, [ityiia 6p,oc(Dg xtp uavxl, Stä xö öpStv öxLoQiv iE, öxououv yLYVö[j,svov. 32) Sext. Emp. Pyrrh. I, 13: A. xtp Xeuxtjv sTvat xvjv x^^a dvxsxt'9'Si, öxt, y] xi'WV öSwp saxi icsuyjyög, xö dh öowp laxl |ieXav, xal f] yj-m &p<x [xeAav saxi. Cic. Luculi. c. 23. 31.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0062.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


