Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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![Die Atomistik. 5]^ 5. Uebergang auf die Atomistik. Anaxagoras begieng deu Widerspruch, zur Erklärung des Werdens ein geistiges Prinzip aufzustellen, dieses Prinzip aber doch nur als mechanische Ursache wirken zu lassen, üeber- diess spielt bei ihm der voug diese Rolle eines bewegenden Prinzips nur im Beginn der Weltbildung; er gibt nur den ersten Anstoss, wirkt nur als erster Beweger, als apx^j xtv^aew?; im weitern Verlaufe der Weltbildung tritt er gänzlich zurück, und die Natur gestaltet sich selbst nach blos physikalischen Gesetzen. Es war daher vom Staudpunkt der mechanischen Naturerkläruug aus nur consequent, wenn eine andere, die ato- mistische Philosophie von keinem ideellen Bewegungsprinzip dieser Art, das doch nur wieder mechanisch wirkt, etwas wissen wollte und vielmehr den Versuch machte, die mechanische Na- turansicht auf ihrem eigenen Boden ohne Zuhülfenahme eines übernatürlichen oder geistigen Prinzips rein durchzuführen, das Werden und die Bewegung aus der Natur der Materie selbst abzuleiten, die Natur aus sich selbst zu erklären. Die Atomi- stik ist die Vollendung des vorsokratischen Naturrealismus. § 13. Die Atomistik. 1. Die Stifter der Atomenlehre. Die Stifter der Atomistik sind Leucippus und Demo- k r i t u s. Beide Männer werden von den Alten , namentlich von Aristoteles, gewöhnlich zusammengenannt, der Eine als der Urheber, der Andere als der wissenschaftliche Ausbildner der atomistischen Lehre. Weiter, als dieses Wenige, ist von Leu- cipp nicht bekannt; auf seiner Person und seiner Lehre ruht tiefes Dunkel. Schriften von ihm werden zwar angeführt, aber ihre Aechtheit wurde schon im Alterthum bezweifelt ^), Es ist kein Bruchstück derselben auf uns gekommen. Da wir ihm 1) Arist. de Xenoph. Gorg. Meliss. 6: xaS-drcsp Iv xoig AeuxOTTtou xa- Xou[isvotg Xöxocs ysypaTixai. D. L. IX, 46 : Msyas Aidxoa[jiog, ov ol nspl 0eö- cppaaxov Azuy.imzou cpaalv sTvai. Dagegen wird der Msyas Aiäxoa[ios ge- wöhnlich, z. B. Diog. Laert. IX, 39 und 46, bei Suid. v. Avj^iöxpiTos, dem Demokrit zugeschrieben. 4 *](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0063.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


