Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin.
- Albert Schwegler
- Date:
- 1882
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Credit: Geschichte der griechischen Philosophie / hrsg. von Dr. Karl Köstlin. Source: Wellcome Collection.
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![regionen sind gleich vollkommen (vgl. S. 79); es gibt auch solche, in welchen die Materie gegen Form und Ordnung sich sträubt , in die Harmonie des Alls zu fügen sich weigert; zu ihnen gehört die Erde; und das Leben auf der Erde ist daher ein unvollkommener Zustand, in welchen die Seele, die an sich »Harmonie« ist, nicht von Natur, sondern nur durch eigene Schuld gekommen sein kann, und welchen sie daher wieder ab- streifen muss, um zu den reinem Regionen, woher sie stammt, zurückkehren zu dürfen. Wie in der ursprünglichen pythagoreischen Philosophie die Lehre von der Gottheit sich gestaltete, und in welches Ver- hältniss dieselbe zu der Lehre von dem erst allmälig im Laufe der Zeit sich bildenden Weltall gesetzt wurde, ist nicht be- kannt , da die Schriften des Aristoteles über die Pythagoreer verloren sind. Die Ethik der Pythagoreer hat eine starke religiöse Fär- bung. Sie lehrten, dass die Menschen ein Besitzthum, gleich- sam eine Heerde der Götter seien (Phaed. 62, b), dass die Götter für die Menschen sorgen (ebendas.) '^^), dass das höchste Gesetz und Gut darin bestehe, Gott zu folgen, die Ordnungen der Götter zu ehren, von aller Verunreinigung durch Begierde und Leidenschaft sich frei zu macheu, durch Ausübung strenger Tugend Gott ähnlich zu werden. Sie forderten Bewahrung des Maasses (au[ji,[ji£xpca) in Allem, Beherrschung des Affekts, geord- nete Lebensweise, Beförderung der Ordnung und Harmonie in der Welt, z. B. durch Treue und Worthalten, durch Ehrfurcht vor Aelteren und Eltern, durch Heilighaltung der Ehe, durch das Bestreben »nicht Freunde zu Feinden, sondern Feinde zu Freunden zu machen«, durch Kampf mit der Ungesetzlichkeit und Einstehen für das Gesetz '''). Aber wissenschaftliche Be- deutung kommt der Ethik der Pythagoreer noch nicht zu. Sie haben zwar einzelne Tugenden begrifflich zu bestimmen ge- sucht , z. B. die Tugend selbst als Harmonie defiuirt, ebenso die Freundschaft als harmonische Gleichheit, £vap|x6vcog Iooxyjc, 73) PJbaed. 62, b: ob jievxoi, dXXä xoos ye \ioi ooxel, tTj Ksßyjg, so Xsysa- %-a.i iö ■dsobc, eha.1 '^[itöv lobc, e7Lip.£/lou[isvoug, xal fj|JLag louq dvS'pcuuoug sv xwy xxv]p,äxü)v ■S-sotg sTvat. D. L. VIII, 27: Ttpovosiofl-at töv ■9'EÖv tjixwv. 74) D. L. VIII, 22—24. 33. Stob. Eclog. Etli. p. 64 fF.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21077125_0094.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


