Grundriss der operativen Geburtshilfe : für praktische Ärzte und Studirende / von Friedrich Schauta.
- Date:
- 1896
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Credit: Grundriss der operativen Geburtshilfe : für praktische Ärzte und Studirende / von Friedrich Schauta. Source: Wellcome Collection.
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![Leben oder die Gesundheit der Mutter irgendwie zu gefährden. Ausserdem muss man bedenken, dass die Asphyxie der Frucht bei jeder Entbindungsart, sei es welche immer, noch eine weitere Steigerung erfährt, welche Steigerung natürlich in jedem Falle im engen Verhältnisse steht zu den Schwierigkeiten und zu der Dauer der künstlichen Entbindung. Man hat hier streng zu individualisiren und die Vornahme, sowie den Zeitpunkt einer operativen Entbindung abhängig zu machen von der Veranlassung, dem Grade der Asphyxie einer- seits, den mechanischen Verhältnissen des Geburtscanais andei-er- seits, und wird in vielen Fällen bei vorauszusehenden grösseren Schwierigkeiten oder Zeitverlust bei einer zu unternehmenden Entbindung und gleichzeitiger nur theilweiser Unterbrechung des Gaswechsels, mässigem Grade der Asphyxie der Frucht die Opera- tion verschieben oder ganz unterlassen; durch eine schwere zeit- raubende Entbindung würde, abgesehen von dem Gelnirtstranma der Mutter, die vorhandene theilweise und unvollständige Störung im Gaswechsel zu einer vollständigen Auflösung gemacht, während solche Früchte erfahrungsgemäss bei nur theilweiser Entziehung von Sauerstoff stundenlang intrauterin fortleben und post partum meist wiederbelebt werden können. Sind uns nun in diesen Fällen von Asphyxie sub partu durch die zu überwindende Klippe der operativen Entbindung nicht selten die Hände gebunden, so erlaubt uns dafür die Be- hand 1 u ng der Asphy xie der geborenen Fr uch t einen weitgehenden Spielraum. Das Erste in jedem Falle von Asphyxie unmittelbar post partum wird die Entfernung der aspirirten Massen sein müssen, woniöglich noch bevor das Kind den ersten Athemzug extrauterin gemacht hat. Deshalb empfiehlt es sich bei Schädel- lagen, die Entfernung des Schleimes aus Mund- und Nasenhöhle unmittell)ar nach dem Durchtritt des Schädels zu beginnen. Die Entfernung geschieht mit dem Zeigefinger oder kleinen Finger, und zwar am besten mittelst eines Läppchens aus feiner Leinwand. In den meisten Fällen sind Schleimraassen nicht tiefer als in Mund, Nase und Rachen eingedrungen. Sind jedoch viele kräftige Inspira- tionen vorausgegangen, dann finden sich die as]iirirten Massen auch im Larynx und in der Trachea und müssen von dort durch Ansaugen mittelst elastischen Katheters oder Ballonkatheters ent- fernt werden. Fernerhin empfiehlt es sich, das Kind während dieser und der noch zu schildernden Wiederbelebungsversuche möglichst warm zu halten, um durch Abkühlung den Sauerstoff- mangel nicht noch mehr zu steigern. Die weitere Behandlung richtet sich nach dem Grade der Asphyxie. Ist die Reflexerregbarkeit noch vorhanden (erster Grad), dann genügen zur Auslösung von Inspirationsbewegungen Hautreize.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21905204_0289.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


