Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann].
- Graumann, Gustav Gottfried Ferdinand, 1866-
- Date:
- 1911
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Credit: Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann]. Source: Wellcome Collection.
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![Apsyrtus zu einer selbständigen Tochter-Wissenschaft derselben ■erhoben. Ans dieser Zeit bis zum Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. datiert nun eine Reihe von Abhandlungen über Haustierkrank- heiten, in denen zum 'keil auch der Starrkrampf berücksichtigt worden ist. Freilich sind diese Schriften, mit Ausnahme der- jenigen des Yegetius, teils vollständig verloren gegangen, teils nur als Bruchstücke erhalten geblieben, doch hat manches davon in einer Sammlung Aufnahme gefunden, die auf Veranlassung des Kaisers Constantin Porphyrogenetes (ca. 012—959 unserer Zeit- rechnung,) zusammengestellt worden ist. Von diesem „Hippiatrika“ jenannten Sammelwerk existiert gegenwärtig nur eine griechische Ausgabe, unter dem Titel: „Ttov \nmaiqiv.mv ßißh'aduo“, die im Jahre 1537 von Symon Grynaeus gedruckt wurde. Diese jetzt sehr seltene Ausgabe weicht freilich nicht unwesentlich von den verschie- denen lateinischen Uebersetzungen ab, denen offenbar ein anderer griechischer Text untergelegen hatte. Mir stand die Ausgabe von Ruellius zur Verfügung, die den Titel führt: „Veterinariä Medizinä libri II, Johanne Ruellio Suessionensi interprete, Parisiis apud Simonem Colinaeum 1530“. In diesem Werke findet man Abhand- lungen über den Starrkrampf von Apsyrtus, Hierocles, Theom- nestes, dem Hippiater Hippokrates und Pelagonius. Außerdem gibt es im Altertum nur noch ein Werk von Publ. Vegct. Renatus, im 5. Jahrhundert n. Chr. verfaßt, welches über den Starrkrampf der Haustiere berichtet. Ich habe zwar bei Durchsicht der älteren Autoren gefunden, daß die Stelle bei L. Junius Moderatus Columella1), dem bedeu- tendsten Ackerbauschriftsteller des Altertums um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.: „Si equo maxillae dolent, calido aceto fovendae“, als eine Andeutung des Starrkrampfes aufgefaßt wird. Dieselben Worte finden wir bei Eumelus von Theben, einem Tier- arzt, der ca. 300 n. Chr. lebte2), mit dem Zusatz: „et axungia vetere confricandae sunt; et si iis non finiatur dolor, adurendae. Eademque medicina tumentibus adhibenda est“. Es wird also bei Schmerz und Schwellung der Kinnbacken empfohlen, dieselben mit heißem Essig zu bähen, mit alter Salbe einzureiben, evtl, zu brennen. Da diese Angaben sich aber in einer Zusammenstellung vorfinden, die nur von den Krankheiten des Kopfes, der Ohren, der Mandeln, der Nase, des Halses, vom Kropf, Husten usw. handelt, kann man wohl kaum annehmen, daß mit obigen Angaben der Starrkrampf gemeint ist. Auch bei den anderen ärztlichen und landwirtschaftlichen Schriftstellern des Altertums jener Zeit, die zum Teil auch Artikel über die Krankheiten der Pferde, Rinder, Schafe, Schweine und Hunde enthalten, z. B. Virgilius,' dem Varro, (’. Celsns, Cland. Galenus berühmten römischen Dichter, *) Columella, De re rustica libr. Nil, 6. Buch, 30. Kap. 3) Eumelus, Ad maxillarum dolorem et tumorem, Veterin. medicinae libri II, Job. Ruellio Suessionensi interprete, Parisiis 1580, Lib. I., Cap. XVIII, ]>. 25.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24878960_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)