Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann].
- Graumann, Gustav Gottfried Ferdinand, 1866-
- Date:
- 1911
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Credit: Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann]. Source: Wellcome Collection.
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![des Uebels sehr wahrscheinlich im Nervensystem finde, „von welchem wir die Stämme, Aeste und Zweige mit vieler Mühe zwar zählen können, aber von dessen eigener Natur wir gar nichts wissen“. „Die direkten Ursachen kennt man nicht. Selbst die Oeffnungen der Toten haben uns noch weiter nichts besonderes entdecken lassen, was man bei vielen anderen Krankheiten, die mit Fieber und Schmerzen begleitet sind, nicht auch fände“. Die Krank- heit soll in allen Jahreszeiten entstehen können, am häutigsten trete sie aber im Sommer auf. Gut gehaltene Pferde von 7—11 Jahren sollen die meiste Anlage dazu haben. Wallache sollen am häufigsten, Hengste seltener, Stuten am seltensten erkranken. Wie überlegen ist diese Erklärung gegenüber derjenigen eines russischen Offiziers1), der die Ursachen der Krankheit in einer Schärfe des Blutes, „welche sich zu sehr ins Gehirn dränge und eine Verschleimung der Gefäße erzeuge“, sucht, und deshalb als Vorbeugungsmittel gegen Starrkrampf, der mit der „Mal d’Espagne u. Vertigo“ die gleichen Ursachen habe, empfiehlt, den Kopf des Pferdes hochzubinden, um das Blut davon abzuhalten. Nicht besser ist die Erklärung eines Graf von Trautenberg2), der die Ursache des Tetanus in einer Schärfe des Blutes und einer Verstopfung der Gefäße der Nerven sieht, so daß die Muskeln, die sich bewegen sollen, ganz ohne Bewegung bleiben. Noch wunderbarer mutet uns aber die Erklärung Andreas Gaab’s an3), eines Kurschmiedes in Diensten des Fürsten von Ansbach, welcher als besonders gefährliche Ursachen des Tetanus neben Schädlichkeiten der Luft, des Klimas und der Nahrung, den Biß wütender Hunde und giftiger Tiere, ja sogar den Schierling, das Wolfskraut und die Spinnen nennt, die mit dem grünen Futter zuweilen heruntergeschluckt werden. Dadurch sollen die „Geblütssäfte“ verdorben und stockend gemacht und so große Veränderungen im Körper hervorgerufen werden, daß die kleinen Adern und Nerven an den Ganaschen und am Halse geschwächt, schnell zusammengezogen und ver- kürzt werden, „worauf notwendig die Schließung des Maules oder das Maul- geSperr folgen muß“. „Wenn das Maulgesperr zu lange dauert oder zu heftig wird, so folgt das Erstarren aller Nerven.“ Von bedeutenden Autoren um 1800 herum sind noch zu erwähnen: Pilger, Lehrer der Tierheilkunde an der Universität Gießen, Kohlwes, Kgl. Preußischer Gestütspferdearzt, Erxleben, Direktor des Tierarzneiinstituts in Göttingen, Zipf, Lehrer der Tierheilkunde in Heidelberg, Tscheulin, Lehrer der Veterinärmedizin in Karlsruhe, v. Tennecker, Kgl. Sächs. Major der Kavallerie, Oberpferdearzt und Professor an der Tierarzneischule in Dresden, und Ammon, Kgl. Bayrischer Hofgestütmeister. Pilger4) nimmt eine Anlage der Tiere zum Starrkrampf an, während Kohlwes’’) neben Erkältung und heftigem Schmerz hauptsächlich Schuß-, ') Medecine Vcterinaire, par un Ancien offieier de Cavallerie ä St. Petersbourg; de Fimprimerie du Corps Imperial des Cadets nobles, 1799. 2) Graf von Trautenberg, Anleitung zur sicheren und gründlichen Heilung der Pferdekrankheiten, 1196, p. 170 — 180. 8) Andreas Gaab, Praktische Pferdearzneikunst, 8. Auf]., 1809, p. 128-182. 4) Pilger, Handbuch der Veterinärwissenschaften, 1801, 2. Bd. p. 866 —868.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24878960_0042.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)