Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann].
- Graumann, Gustav Gottfried Ferdinand, 1866-
- Date:
- 1911
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Credit: Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann]. Source: Wellcome Collection.
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![al>er auch in tierärztlichen Kreisen damaliger Zeit teilweise der Ansicht der Aerzte zugewandt und den Wundstarrkrampf nicht für identisch mit der Maulsperre der Haustiere gehalten zu haben. Eine häufige Begleiterscheinung des Tetanus, nämlich das Fieber, bildete seit altersher einen Gegenstand besonderer Erörterung. Schon Hippokratesl *) und andere Autoren des Altertums haben bei Tetanus des Menschen Fieber beobachtet und dessen Auftreten als ein günstiges Zeichen betrachtet, welches die Lösung der Starre ankünde, eine Ansicht, der auch die tierärztlichen Autoren am Ende des 18. Jahrhunderts meist zuneigten. So sagt z. B. Yeterinarius (1. c. p. 203): „Die Erfahrung hat gelehrt, daß, wenn am 3. oder 4. Tag ein nicht zu starkes Fieber dazu kommt, und wenn dieses Fieber sich mehr vermindert als verstärkt, es ein Zeichen der Genesung des Pferdes ist; wenn aber das Fieber an- hült und zunimmt, stirbt das Pferd am 4. oder 5. Tag.“ Graf von Trautenberg (1. c. pag. 172) sagt: „Das Pferd stirbt gewöhnlich am 4. oder 5. Tag, es sei denn, daß ein Fieber dazu käme, da häufig durch die Fiebererschütterung die Krankheit sich verziehe.“ Erx- leben (1. c.) und andere behaupten dasselbe. Neuerdings vertreten Behring und Casper -) dieselbe Ansicht, indem sie das Fieber bei Tetanus als Reaktionsfieber und als heilsamen Vorgang bezeichnen. Die höhere Temperatur sei ein Zeichen dafür, daß im Organismus heilende Substanzen produziert werden. Während man das Fieber in früherer Zeit an der Beschleuni- gung der Atmung, an der Beschaffenheit des Pulses und der Herz- tätigkeit erkannte, bediente man sich später zu diesem Zwecke des Thermometers. Es wurde danach bald bekannt, daß die Körper- temperatur bei tetanuskranken Menschen und Tieren im Beginn meist normal oder nur unbedeutend erhöht ist, bei ungünstigem Verlaufe aber regelmäßig ansteigt und schließlich eine sehr bedeu- tende Höhe erlangen kann, die dann als ein ganz trostloses prä- mortales Symptom aufzufassen ist. Schon die Aerzte des 18. Jahr- hunderts De Haen, Dazille und andere (Rose 1. e.) weisen darauf hin. Auch eine erst nach dem Tode nicht selten bis zu 43 und 45 Grad Celsius auftretende Temperatursteigerung wurde besonders von Wunderlich3) näher beobachtet. Man versuchte diese Temperatur- steigerungen in verschiedener AVeise zu erklären. Die während des Lebens in die Erscheinung tretende Temperatursteigerung wurde von Billroth, Leyden u. a. (Rose 1. c.) auf die Tetanisierung der Muskeln, von Rose (1. c.) auf eine Ueberreizung oder Erschöpfung des regulatorischen Wärmezentrums im verlängerten Mark zurück- geführt, die postmortale Temperatursteigerung erklärte man sich durch die Gerinnung des Myosins (Fick und Dvbkowsky) und 1) Neuburger und Page], I. c. pag. 34. -) Behring. Die Blutserumtherapie, II. 4. Teil. Ueber Heilwirkungen des Tetanus-Heilserums bei tetanuskranken Schafen und Pferden, Leipzig 1892, pag. 119 f. 3) Wunderlich, Archiv der Heilkunde 1861, pag. 546.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24878960_0047.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)