Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann].
- Graumann, Gustav Gottfried Ferdinand, 1866-
- Date:
- 1911
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Credit: Geschichte des Starrkrampfes unter besonderer Berücksichtigung dieser Krankheit bei Haustieren / [Gustav Gottfried Ferdinand Graumann]. Source: Wellcome Collection.
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![nagelnngen und dergleichen beobachtet. Hartmann1) konnte z. B. bei sämtlichen neun im Verlauf einiger Jahre in Dresden an Tetanus gestorbenen Pferden eine Verletzung durch den Hufnagel nachweisem Als gefährlich galten ferner Kronentritte, die Kastration, die Opera- tion der Samenstrangfistel, das Englisieren, die Amputation des- Schweifes; auch wurde Starrkrampf nach Sattel- und Geschirrdrücken, Verbrennungen, scharfen Einreibungen, nach dem Haarseilziehen und Eontanellegen beobachtet. Ivöll2 3) und Hertwig“) stellten fest,, daß der Tetanus am häufigsten erst in der Zeit der Granulation der Wunde oder nach vollendeter Vernarbung zum Ausbruch kommt. Auch sah man häufig Tetanus nach Verletzungen und Entzündungen innerer Organe, z. B. der Maulhöhle, des Darmes etc., entstehen. Die Beobachtung, daß Starrkrampf manchmal schon nach ganz unbedeutenden Verletzungen auftritt, dagegen nach großen Verletzungen sehr häufig ausbleibt, suchte man damit zu erklären, daß Wunden von besonderer Beschaffenheit und an besonderen Stellen, z. B. Verletzungen von Nerven, sehnigen Häuten, Extremitäten etc., besonders zum Tetanus neigen, und daß auch schlecht behandelte und mißhandelte Wunden und Unter- drückung der Eiterung als Ursache des Tetanus zu fürchten seien (Tennecker [1. c.], Bohlmann |1. c.] u. a.). Immerhin blieb noch eine nennenswerte Zahl von Starr- krampffällen übrig, bei denen es nicht gelang, eine Verletzung als Ursache nachzuweisen. Man beschuldigte dann Erkältungen oder atmosphärische Einflüsse unbekannter Art als Ursachen, und tat- sächlich hat sich denn auch die Unterscheidung des Starrkrampfes in traumatischem und rheumatischem Tetanus in den tierärztlichen Lehrbüchern bis weit in die neuere Zeit hinein erhalten. Daß nächst Wunden Erkältung bei der Aetiologie des Tetanus des Menschen eine große Rolle spielt, nahm man schon in sehr früher Zeit an- Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts haben Dazille, Larrey u. a. (Rose 1. c.) den starken Seewinden, die Erkältung hervorrufen könnten, Bajon da- neben dem Salzgehalt der Seeluft einen besonderen Einfluß zugeschrieben. Der zuletztgenannte Autor erklärt daher in seinen „Nachrichten zur Ge- schichte von Cayenne“ die Beobachtung, daß Indianer gegenüber den Negern so wenig Kinder an Tetanus verlieren, damit, daß die Indianer die neu- geborenen Kinder in den ersten neun Tagen mit einer fetten und öligen Substanz beschmieren, die sie gegen den Lufteinfluß schützt. Auch verkleben sie die Nabel sehr sorgfältig mit einem Pflaster bis zur vollständigen Heilung. Die Beobachtung, daß der Tetanus traumaticus gewöhnlich schwerer verläuft, als der sogenannte Tetanus rheumaticus, suchte man damit zu erklären, daß die ungünstigen thermischen Einflüsse beim Vorhandensein von Wunden x) Hartmann, Bericht über das Veterinär wesen im Königreich Sachsen 1860, 10. 2) Röll, Spezielle Pathologie und Therapie der Haustiere. 2. AufL Wien, 1860, pag. 486f. 3) Hertwig, Handbuch der Chirugie für Tierärzte, 2. Auf!. Berlin 1859, pag. 328.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24878960_0051.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)