Komplextheorie und Gestalttheorie : ein Beitrag zur Wahrnehmungspsychologie / von G.E. Müller.
- Müller, G. E. (Georg Elias), 1850-1934.
- Date:
- 1923
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Credit: Komplextheorie und Gestalttheorie : ein Beitrag zur Wahrnehmungspsychologie / von G.E. Müller. Source: Wellcome Collection.
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![5er 10 funftionierte, baß 3toar nod) bie römifchen Ziffern I, II unb III, bagegen nid)t mel)r bie geläufigeren arabifdjen Ziffern 4, 5 unb 6 belannt toaren, baß fid) unter ben 14 ifjm oerloren gegangenen großen Budjftaben bas B, E, M, N, R unb T befanben, toäl)renb 0, Q, U unb Z nod) er¬ halten geblieben roaren, baß in einem oon D. Bernarb (De l’apliasie, Paris 1889, $. 97) mitgeteilten Salle ausfd)ließlid) bie Budjftaben e, g, 1, s unb w nid)t erlannt tourben, u. bgl. m. (Es läßt [ich alfo öie uon oon Kries (S. 60ff.) 3ur näheren (Erroägung geftellte Hnnahme, baß alle ber gleichen Kategorie angehörigen (Erinnerungen in ben gleichen Heroen* 3ellen ihre pt)t)fifd)en ©runblagen befäßen, aud) bann nid)t burd)füf)ren, toenn man geltenb macht, baß natürlich bie in ben gleidjen Heroe^ellen lofalifierten (Einprägungen je nad) ben oer[d)iebenen Seftigfeitsgraben, bie ihnen oom pft)d)oIogifd)en Stanbpunlte aus betrachtet 3utämen, mit oer* fd)iebener £eid)tigteit burcf) patl)ologifd)e 3nfulte funttionsunfäl)ig gemacht roerben tonnten. IDir müffen notroenbig annehmen, baß bie (5ebäd)tnis* reßbuen getoiffer gleichartiger Sinneseinbrüde, 3. B. ber Budjftaben unb ber Ziffern, in oerfd)iebenen lofalifiert finb unb baher aud) ein3eln burd) pathologifdje Borgänge gefdjäbigt roerben tonnen. 5. 5ü* uns h^ ift bie (Eatjadje bejonbers erroähnenstoert, baß natür* lid) aud) einem einheitlichen (Einbrudsfompleye ein Refibua^entrum 3uge* hört, bas oon ben Refibua^entren ber fingular aufgefaßten Kompleyglieber oerfdpeben ift. 3ft alfo 3. B. a mit x, b mit y, bagegen ber Kompley [a b] mit z affo3iiert toorben, [o bleiben bei ber Heprobuftion oon z burd) [a b] bie Refibua^entren oon a unb b unb bie oon ihnen etroa ausgehenben Rffo3iationsbaf)nen gan3 außer Spiele. (Einen Beroeis für bie Richtigteit biefer Behauptung liefern patljologifdje (Erfahrungen, inbem 3. B. Sülle oortommen, too ein £efen ein3elner ober fogar oieler H)örter nod) möglid) ift, roährenb bie ein3elnen Buchftaben nid)t mehr gelefen roerben tonnen, ober umgefebrt1). 5e™er h<*t henn™9 (S. 225) ge3eigt, baß aud) bie Kefultate getoiffer bas Ranfd)burgfd)e Phänomen betreffenber Berfud)e 3U ber Sd)Iußfolgerung führen, baß bas (5ebäd)tnisrefibuum eines Komplexes etroas Hnberes ift als bie Summe ber Kefibuen ber Komplex glieöer. Schon oon oom herein muß man es für fd)toer ausbentbar ertlären, baß einem (Befidjtsobjette, bas roie 3. B. ber Bud)ftabe e ein Beftanbteil un3ähliger oerfdjiebener Komplexe ift, nur ein ein3iges, in 3al)lIofen Ber* binbungen mit anberen Zentren ftehenbes Refibuo^entrum 3ugehöre. Die hier ermähnten (Eatfadjen ergeben, baß ein fold)es (Dbjett aud) in ben Refibua^entren aller es mit enthaltenen Kompleye oertreten ift. x) Rud) bie (Eat|ad)e, baf) für ben ermähnten Patienten Riegers, obmohl er nod) über bie 3af)l3eid)en unb 3al)lroörter oon 0, 1, 2 unb 3 oerfügte, 10 ftets nur (Eins unb Kuß mar, ift hier an3ufül)ren.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29816178_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


