Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1923
Licence: In copyright
Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
123/710 (page 107)
![Auch in einigen Fällen von Nervosität ist erhöhter F.-I. nachgewiesen: Gött, Münch, med. Wochenschr. 1906, S. 2294. — Brettschneider, Ibid. 1907, Nr. 32. Dann bei Brechdurchfall: Neubauer u. Stäubli, Münch, med. Wochenschr. 1906. Fälle, in denen die Genese des hohen F.-I. nicht klar liegt. Alle ungeklärten und zweifelhaften Beobachtungen sollten durch die Er¬ mittlung der Volumenprozente der R. und der R.-Größe genauer geprüft werden, denn die Erhöhung der F.-I. ist an größeres Zellvolumen gebunden. Bei aplastischer Anämie mit Fettmark können doch im Blute hoher F.-I. und hyper- chrome R. gefunden werden. So zeigte mein Fall aplastischer Botriocephalusanämie mit reichlich Fettmark neben rotem Mark in den Rippen ganz ausgesprochene Megaloblasten- und Megalozytenbildung in dem vorhandenen roten Mark (Tafelabbildung 3. Aufl. Taf. II, Abb. 4), das also vollständig umgewandelt war, und mithin mußte der Blutbefund doch aus dem Knochenmark erklärt werden. Es sollte überhaupt bei Fettmark der Röhrenknochen das Mark der kurzen Knochen genau untersucht werden, da doch dieses die Blutbildung besorgt und sehr wohl wie hier schwer verändert sein kann. Die Pappenheimsche Auffassung, daß der abnorme Hb.-Gehalt nur ein scheinbarer und durch in der Blutbahn toxisch verändertes Hb. entstanden sei, ist nie anerkannt worden und heute aufgegeben. Den besten Gegenbeweis liefert unser Nachweis, daß bei perniziöser Anämie F.-I. und R.-Volumen parallel gehen. Das gar nicht seltene Vorkommen leicht erhöhter Färbeindizes zeigt, daß unter bestimmten Umständen das Knochenmark größere und vollwertigere Erythrozyten bilden kann. Dies tritt stets nur bei energischer Regeneration ein. Am ausgesprochensten ist das der Fall beim Auftreten der frühembryonalen Blutbildung (Embryo, perniziöse Anämie), weit mäßiger, aber gewöhnlich auch recht deutlich, bei starken Anklängen an spätembryonalen Typus der Blutbildung, wobei dann myeloische Metaplasie in Milz und Leber regelmäßig auftritt. So vor allem bei Kinderanämien, bei Blutgiften und starkem R.-Zerfall (Ikterus, hämolytische Anämie, Leberzirrhose). Voraussetzung ist die Möglichkeit des Organismus, von den Bausteinen des Hb. leicht Gebrauch zu machen. Das ist gerade bei Blutzerfall im allgemeinen besonders stark der Fall (Hämosiderosis). Fehlt aber dieses Material, z. B. Eisen, so können hämoglobinarme und blasse Megalozyten entstehen (eigene Beobachtung). Wie sehr die Bildung großer hämoglobinreicher Zellen regene¬ rativen Charakter trägt, zeigt vor allem das Beispiel der Chlorose, wo beim Ausgleich der Anämie der Körper von einem Extrem ins andere fällt und aus der früheren Insuffizienz der Erythrozytenbildung in eine abnorme Über¬ schußbildung hineinkommt (Weigertsches Gesetz), hier also nicht nur mit den absoluten Zahlen, sondern auch in bezug auf die Zellgröße. Hämoglobinfüllung der Zellen. Ähnlich, wie die Beziehung von Hämoglobin zur Zahl der R. einen wert¬ vollen Index (F.-I.) für den Färbewert der Zelle abgibt, läßt die Relation von Hämoglobin zum Volu men der R. in der Blutflüssigkeit einen Anhalts¬ punkt auf die Hämoglobinfüllung oder Dichte in der Zelle gewinnen (Alder, Schweiz, med. Wochenschr. 12. 1918). Hb- % Vol.-% = Sättigungsindex oder Füllungskoeffizient oder Hh.-Füllung. Beim Normalen (Hb. 100%, R.-Vol. 44%) erhält man 100 : 44 = 2,27. (Wegen Fehlern in den Bestimmungen Schwankungen [2,2—2,4].) Dieser Wert wird mit größter Zähigkeit beibehalten, ein Beweis, daß die Hämoglobin¬ füllung eine gleiche, maximale ist. Eine Erhöhung fehlt stets; es ist also nicht möglich, daß die Zellen mehr Hämoglobin auf nehmen, als dem vor handenen Zellraume entspricht. Umgekehrt kommt es vor, daß bei schweren](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928746_0123.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)