Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1923
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![sterbende Zellen im hohen Grade empfänglich für gewisse Farbstoffe wie Neutralrot. Methylenblau, Brillant - Kresylblau, Pyronin - Methylgrün, Methylen¬ azur usw.; mithin liegen stets postvitale Färbungen infolge von Nekrobiose vor. Gleich¬ wohl sind viele präformierte Zellbestandteile mit dieser Methodik zu färben, wenn auch nebenbei Artefakte entstehen, deren Deutung zuweilen Schwierigkeiten bereitet. Viele Autoren sind gegenüber den Ergebnissen dieser Untersuchungsmethode äußerst zurückhaltend; so nennt Heidenhain die Befunde ein Konvolut heterogener Erscheinungen. Einen enormen Umfang hat die Verwendung dieser Vitalfärbungen in Italien erlangt, während in den Ländern deutscher Zunge diese Methoden mehr nur für besondere Zwecke im Gebrauch stehen. Sehr ausgiebigen Gebrauch machte davon Arnold für seine Zellstudien. Die Technik dieser „Vitalfärbungen“ ist sehr einfach. Man bringt zu einem kleinen Korne des Farbstoffes einen Tropfen Blut, umrandet das Präparat mit Vaseline und be¬ obachtet die eintretenden Veränderungen in den nächsten Stunden. Noch besser bewährt sich das Ausstreichen mit einem Glasstabe und Eintrocknenlassen in der Nähe der Flamme einer dünnen Schicht der Farblösungen, z. B. Kresylblau in abs. Alkohol, auf einem Objektträger. Nachher breitet man den Bluttropfen in der gewohnten Weise über dieser dünnen Farbstoffschicht aus (Methode von Pappenheim, Nakanishi) oder untersucht über einem hohlgeschliffenen Objektträger (Rosin und Bibergeil) unter sorgfältigem Abschluß der Luft. Von Methoden ist die vitale Sudanfärbung S. 24/25 erwähnt. Cesaris - Demel ver¬ wendet Brillantkresylblau und Sudan III in alkoholischer Lösung. Die Methode Sabrazes stellt in gewohnter Weise lufttrockene Blutausstriche auf Deckgläschen her und nimmt die Färbung sofort oder beliebig später vor, indem er das Deekgläschen auf einen kleinen Tropfen von Methylenblau medic. pur. in Aq. dest. 1 : 500 legt. Man kann nach der Vitalfärbung Trockenpräparate machen, indem man das Deck¬ gläschen mit einer Kante vorstehen läßt und nach Eintrocknen nach einigen Tagen abhebt. Solche vitalgefärbte Präparate lassen sich nach Pappenheim (Fol. haematol. 7, 1909, 19) in Methylalkohol fixieren und dann umfärben. Diese Methode benutze ich regelmäßig seit vielen Jahren. Sie sollte All¬ gemeingut der Ärzte für die rasche (vorläufige) Beurteilung des Blutes werden. Sofort erkennt man (siehe Taf. XV) Leukozytose oder Leukozvtenvermin- derung, die prachtvoll granulierten Neutrophilen, die eine Färbung zuerst ablehnenden Eosinophilen und die Lymphozyten, nur sind diese von Monozyten nicht stets sicher zu trennen. Trefflich kann man die Kemstruktur beurteilen, besonders auch die Monozyten auf alte oder junge Kerne prüfen, wobei die scharfe Ausprägung des Basichromatinnetzes den alten Kern anzeigt. Ausgezeichnet sind die Blutplättchen als rosarote kleine Kugeln gefärbt. An den roten Blutkörperchen sieht man die nur durch Vitalfärbung darstell¬ bare vital basophile Granulierung. Nukleolen zeigen sich in Lymphozyten und Myeloblasten oft schön. Es sind noch viele andere Vitalfärbungen empfohlen, so von Schilling- Torgau eine kombinierte Brillantkresylblau-Giemsafärbung (s. 2. Auf].). Sudan färbung. Man bringt einen Tropfen der Lösung von Sudan III in abs. Alkohol auf einen Objekt¬ träger und läßt die Lösung verdunsten. Sodann verreibt man den Rückstand gleichmäßig und bringt auf den so vorbereiteten Objektträger einen Tropfen frischen Blutes und be¬ deckt mit einem Deckgläschen. Besser ist die Methode von Cesaris-Demel, die zur Färbung der Kerne noch Brillantkresylblau dem Sudan zusetzt. Bei infektiösen und eitrigen Prozessen enthalten die Leukozyten rote sudanophile Granula. Vitalfärbung nach Cesaris-Demel: Man streicht mit einem Glasstab von folgender Lösung auf einen Objektträger: Brillantkresylblau 0,02 Sudan III ' 0,04 Alkohol, absolutus 15,0.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928746_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)