Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1923
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![Kohlensäure CF-, C03-, SO/'-, NOg'-Ionen in die Erythrozyten ein und ändern das R.-Volumen und damit die Viskosität. Es ist schon lange das größere Volumen der Erythrozyten des Venenblutes bekannt, und dementsprechend ist daher auch die Viskosität des Venenblutes höher gefunden als diejenige der arteriellen (s. eigenen Wert S. 68 oben). Es frägt sich nun, ob die Kohlensäure bei den Schwankungen des arteriellen Blutes eine nennenswerte Rolle spielt. Nach bisheriger Erfahrung ist das unwahrscheinlich, weil fast alle Schwankungen nach den 1 — 6 aufgezählten Gründen so gut wie restlos erklärt und die Unterschiede zwischen arterialisiertem Fingerbeerblut und Venenblut gering sind. Ganz besonders gering wird der Einfluß der Kohlensäure auf das arterielle Blut der schweren Anämien sein, weil hier das Objekt für den Angriff der Kohlensäure, die roten Blutkörperchen, so außerordentlich reduziert ist. Bachmann (in Schibig) suchte den Einfluß der Kohlensäure an defibriniertem Blute viskosimetrisch nachzuweisen, konnte aber keine Erhöhung entdecken. Damit dürfte die geringe Bedeutung des Kohlensäureeinflusses auf die Blutviskosität erwiesen sein. 8. Die Salze des Serums an sich hätten zwar keinen Einfluß, aber indirekt können sie freilich — und, wie es scheint, in gar nichtTunbedeutender Weise — r\ verändern, indem sie die Oberflächenspannung des Serumeiweißes verändern und ferner bei Anwesenheit von viel Kohlensäure durch die oben erwähnten osmotischen Vorgänge das R.-Volumen verändern. Nach den meisten Untersuchungen ist aber der Salzgehalt des Serums (s. S. 56) ein sehr konstanter und nur geringen Schwankungen unterworfen. Freilich ist das bei Nephritis unter Umständen ganz anders, und ähnliche Abweichungen des Salzstoffwechsels kommen, wenn auch seltener, doch vor. 9. Daß auch die Blutplättchen eine Rolle spielen, ist wenig wahrscheinlich, weil sie ihrem Volumen nach so kleine Elemente sind. Dieser Faktor darf daher wohl praktisch vernachlässigt werden. Es stellt somit der Wert r\ die eine Seite einer Gleichung dar, bei der auf der andern Seite mindestens acht variable, zunächst unbekannte Faktoren stehen. Dabei gestaltet sich das Zusammenwirken dieser Unbekannten bei dieser dynamischen und nicht statischen Prüfung nicht als Summation, sondern nach Art einer Hyperbelkurve, wenigstens zum Teil und besonders bei den hohen Zahlen. Nun lassen sich aber die meisten dieser Unbekannten rasch ermitteln. 1. 7] 2 durch Viskosimetrie des Plasmas oder rj1 des Serums nach spontaner Gerinnung, nachdem man ca. 20 spontan ausfließende Bluttropfen in ein peinlich sauberes Gläschen aufgefangen und eingeschlossen hat. 2. R. durch besonders genaue Zählung (s. S. 29). 3. Körrig. Hb.-Prozente durch Messung. 4. L. durch Zählung. 5. Volumen durch mikroskopische Untersuchung des Ausstrichpräparates, das sofort wichtige Anhaltspunkte ergibt, oder nach den Methoden von S. 67 und 68. 6. Durch Ermittlung des Färbeindex. 7. Evtl, gasanalytisch. 8. Nur durch chemische Analyse. Die Werte 1, 2, 3, 4, 5, 6 müssen bei jeder eingehenden Blutuntersuchung ermittelt werden. Der Wert 7 scheint bei Abwesenheit von Stauung und Atemnot physiologisch für Fingerbeerblut nach Handbad ohne Einfluß und darf vernachlässigt werden. Für starke Anämien spielt er gar keine Rolle. Der Wert 8 fällt, von Nephritis und einigen andern Störungen des Salz¬ stoffwechsels abgesehen, wegen der großen Konstanz der Serumsalze außer Betracht. Mithin gibt rj eine ausgezeichnete und sehr erwünschte General¬ kontrolle über die Richtigkeit der unter 1—5 ermittelten Zahlen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928746_0060.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)