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Credit: Über die Tuberkulose im Kindesalter / von Dr Adolf Dennig. Source: Wellcome Collection.
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![der Dannwaud übergegriffeu hat und sich im Dickdarm mit abspielt. Wenn ausser den geschwürigen Veränderungen im Darm noch diffus Terbreiteter Darmkatarrh — und das ist häufig der Fall — besteht, so werden die Ausleerungen massenhaft. Tenesmus kann sehr lästig werden. — Kolikartige Schmerzen gehen den Stuhlgängen oft voran, sie sind bedingt durch vermehrte Peristaltik und damit verbundene Zerrung der im Peritoneum verlaufenden Nerven. Aber diese Visceral- neuralgien fehlen auch in vielen Fällen, dagegen werden bei Druck auf bestimmte Gegenden des Bauches Schmerzen angegeben; diese ent- s])rechen einer lokalen Peritonitis an den Stellen, wo die geschwürige Zerstörung bis zu der Darmserosa vorgedrungen ist. — Die Auftreibung des Leibes, welche manchmal unregelmässig ist, aber gewöhnlich nie so hohe Grade erreicht wie bei der tuberkulösen Peritonitis, ist bedingt durch meteoristisch geblähte Darmschlingen. Das Herz ist bei reichlichen Darmausleerungen in seiner Arbeits- kraft erheblich beeinträchtigt, es tritt Cyanose ein, der Puls wird frequent und klein, dann und wann zeigen sich Ödeme an den abhängigen Kör- perpartien. — Die Erscheinungen auf der äusseren Haut geben sich kund durch Blässe, Welkheit, Trockenheit; die Haut wird durchsichtig, dünn, schilfert besonders an Gegenden, welche längerem Druck aus- gesetzt sind, ab. Decubitus kommt nicht ganz selten vor. Die Harnmenge ist vermindert, der Urin koncentriert, von hohem spez. Gewicht, enthält manchmal geringe Mengen von Eiweiss. S. Poliäk beschreibt einen Fall von Darmtuberkulose bei einem 10jährigen Mädchen, bei welchem der Harn klar, durchscheinend, gelb, gelb rot, gelbbraun entleert wurde und an der Luft eine schwarze Farbe annahm, und zwar an der Oberfläche, nach unten an Intensität abnehmend. Eeaktion des Harns meist alkalisch, selten sauer. Später hörte die Schwarzfärbuug des Harns auf. Nach den mir nur im Auszug vorliegenden Mitteilungen scheint es sich um Alkaptonurie gehandelt zu haben. Der Appetit liegt meist danieder, dagegen besteht vermehrtes Durst- gefühl. — Je rascher die Diarrhöen auf einander folgen, desto rapider die Abmagerung und der Kräfteverfall. — Das Verhalten der Körper- wärme ist wechselnd, bei schnell vor sich gehender Konsumption sinkt die anfänglich fieberhafte Temperatur auf die Norm, ja sie wird in vielen Fällen subnormal, dann und wann vielleicht einige höhere Spitzen zeigend. Diesem ausgeprägten Krankheitsbild gegenüber, welches sich übrigens nicht wesentlich von dem der subakuten oder chronischen Form des Darmkatarrhs unterscheidet, stehen Fälle, in welchen bis zum Tode keinerlei Erscheinung von Seiten einer Darmerkrankung vorliegt, obwohl bei der Obduktion geschwürige Prozesse gefunden werden. —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21989850_0270.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)