Die Erklärung des Gedankenlesens : nebst Beschreibung eines neuen Verfahrens zum Nachweise unwillkürlicher Bewegungen / von W. Preyer.
- Preyer, William Thierry, 1841-1897.
- Date:
- 1886
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Credit: Die Erklärung des Gedankenlesens : nebst Beschreibung eines neuen Verfahrens zum Nachweise unwillkürlicher Bewegungen / von W. Preyer. Source: Wellcome Collection.
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![1852 nannte er sie ideomotorische Bewegungen und hob er her- vor, dass sie ohne die geringste Betheiligung des Willens unter dem Einflüsse einer dominirenden, d. h. alle anderen geistigen Vorgänge beherrschenden oder übertäubenden, starken Vorstellung zu Staude kommen, so dass der sie Ausführende nicht einmal nachher davon weiss. In seinen beiden kurzen Mittheilungen in der Londoner Royal Institution „Ueber den Einfluss der Eingebung (Suggestion) auf die Abänderung und ßichtungsbestimmung der Muskelbewegungen un- abhängig vom Willen (Sitzung vom 12. März 1852) und „Ueber die unbewusste Gehirnthätigkeit (Sitzung vom 1. März 1868) hat Car- penter sehr klar auseinandergesetzt was er unter „unbewusster Cere- bration versteht, und die „ideomotorischen Bewegungen charakteri- sirt und zur Erklärung einer Reihe von paradoxen Erscheinungen ver- werthet. Er schrieb darüber u. a. im Jahre 1852 wörtlich: „So findet das ideomotorische Bewegungsprincip seinen an- gemessenen Platz in der physiologischen Scala, welche ohne dasselbe geradezu unvollständig sein würde. Und nachdem es einmal aner- kannt worden, kann es zur Erklärung zahlreicher Erscheinungen dienen, welche eine Quelle der Verwirrung für Viele abgeben; auch für Solche, die, von ihrer Echtheit überzeugt, keinen Ausweg fanden zur Versöhnung derselben mit den bekannten Gesetzen der Nerven- thätigkeit. Die fraglichen Erscheinungen sind diejenigen, welche kürz- lich der Wirkung einer ,Od-Kraft' zugeschrieben wurden, zum Bei- spiel die Bewegungen der Wünschelruthe und die Schwingungen von Gegenständen, die an einem Finger hängen. Beide sind, wie klar be- wiesen worden (von James Braid 1846 [der Verf.]), „bedingt durch den Zustand der Erwartung bei gespannter Aufmerksamkeit (exspectant attention) seitens des sie Ausführenden, indem dessen Wille vorübergehend der Beherrschung seiner Muskeln entzogen ist durch den Zustand der seine geistige Thätigkeit ganz in Anspruch nehmen- den Abstraction, und indem die Anticipation eines bestimmten Re- sultates den Reiz abgibt, welcher unmittelbar und unwillkürlich die es herbeiführenden Muskelbewegungen auslöst. Das Alles gilt in jeder Hinsicht auch für das Gedankenlesen. Damals aber war dieses in der modernen Form noch unbekannt. Also konnte es Carpenter nicht schon damals ebenso erklären.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22293231_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


