Die Ernst-Ludwigs-Heilanstalt : Beiträge zur Anwendung der physikalischen Heilmethoden / von Hermann Lossen.
- Lossen, Hermann (Hermann Friedrich), 1842-
- Date:
- 1905
Licence: In copyright
Credit: Die Ernst-Ludwigs-Heilanstalt : Beiträge zur Anwendung der physikalischen Heilmethoden / von Hermann Lossen. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![versuchen, wie man es machen muss, als von den Fehlresultaten, wie man es nicht machen soll. Die Naturheilkundigen aber bedürfen einer derartigen „Schule“ nicht. Sie scheinen mir Kunst als das zu definieren, was man nicht kann, weil, wenn man erst etwas kann, es eben keine Kunst mehr ist. Es ist richtig, dass die physikalischen Heilmethoden eine Zeit lang mehr in den Hintergrund gedrängt wurden — wie sich nicht leugnen lässt, sehr zu unserem Nachteil — und leide]’ auch heute noch nicht ganz den Platz sich wieder erobert haben, der ihnen gebührt. Der Aufschwung, den die Cellularpathologie, die patho- logische Anatomie und die physikalische Diagnostik seit dem vorigen Jahrhundert genommen haben, das Suchen nach dem anatomischen Sitz der Krankheit, führte dazu, in den erkrankten Zellen ein Krankheitswesen (ens morbi) anzunehmen. So fing man denn an, die einzelnen Symptome zu bekämpfen und verlor sich im Ver- schreiben von unzähligen Mitteln und Mittelchen, dass ein Spötter darüber schreiben konnte: „Chaque docteur dit le contraire Un autre remede ä chaque heure, C’est pour quoi il ne faut pas avoir peur II n’arrive rien plus, que qu’on meurt“, Das Ansehen des ärztlichen Standes hat, durch diese medi- kamentöse Polypragmasie und den übertriebenen Eifer es der „vis medicatrix naturae“ zuvortun zu wollen, sicherlich nicht gewonnen — das ist klar, aber die Reaktion hiergegen erfolgte doch auf dem Boden wissenschaftlicher Medizin, und zwar durch die Neue Wiener Schule. Der „Nihilismus“, den dieselbe auf ihr Programm schrieb, hat wenigstens das Gute geleistet, dass man den natürlichen, durch Mittel nicht beeinflussten Verlauf der Krankheiten kennen lernte, und somit die Basis schuf zu der Erkenntnis, ob ein Medikament überhaupt und in welcher AVeise es den Heilungsverlauf beeinflussen kann. Dieser Nihilismus ist aber heute ein längst überwundener Standpunkt und diejenigen, welche über jede Anwendung von Medikamenten — wohlverstanden, nicht gegen den Missbrauch — schimpfen, schlagen sich selbst ins Gesicht. Steht doch schon in der hl. Schrift, Sirach 38. 4, geschrieben: Der Herr lässt die Arznei aus der Erde wachsen und ein Vernünftiger verachtet sie nicht. Freilich müssen wir uns hüten, wieder in das Extrem zu verfallen. Die Gefahr ist doppelt gross in einer Zeit, in der Apotheken und chemische Fabriken sich in der Überproduktion](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28070768_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)