Geschichte der Glycosurie von Hippokrates bis zum Anfange des neunzehnten Jahrhunderts / von Max Salomon.
- Salomon, Max, 1837-1912.
- Date:
- 1871
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Credit: Geschichte der Glycosurie von Hippokrates bis zum Anfange des neunzehnten Jahrhunderts / von Max Salomon. Source: Wellcome Collection.
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![seiner ganzen Grösse anerkannt, schon bei Lebzeiten der zweite Hippokrates genannt zu werden. Es kann hier nicht die Aufgabe sein, uns tiefer zu versenken in das Wesen der Syden h a m'sehen Wissenschaft — nur ganz kurz die von ihm selbst ausgesprochenen Principien zu erwähnen, um eine freilich nur conturirte Silhouette zu bieten, sei uns gestattet, möchte auch wohl nicht all’ zu weit aus dem Rahmen unserer Abhandlung hervorragen. Sydenham verlangt vor Allem eine bessere Krankheits- beschreibung, damit die Leser ein Bild der wirklichen Krank- heit, nicht ein Phantasiegebilde des Verfassers erhalten. Dazu ge- höre nun erstlich eine gute, genaue, nicht gekünstelte und subjectiv erdachte Eintheilung der Krankheiten; er verwirft streng eine solche, die „non tajn ad Morbi, quamad Auctoris Ingenium, philosophandique theo/dam, accommodata est.“ ]) Sodann aber „in scribenda Morborum Historia, seponatur tantisper oportet quaecunque Hypothesis Phi- losophie a , quae scriptoris judicium praeoccupaverit,“2) Das Vor- eingenommensein durch solche Hypothesen verändere nur zu leicht das Krankheitsbild, das der Auctor entwirft. Denn leicht geschehe es, dass unwesentliche mit den Hypothesen übereinstimmende Momente über Gebühr hervorgehoben, entgegenstehende wesentliche aber ent- weder ganz mit Stillschweigen übergangen oder als unwesentliche behandelt würden. Drittens fordert Sydenham „vt in describendo aliquo Morbo peculiaria et perpetua Phaenomena seorsim ab accidentäli- bus et adv entitii s (qualia sunt, quae non tantum ob aegrotantium temperiem et aetatem, sed etiarn ob rationein Medendi diversam varie se habent) enarrentur.“3) Wenn dieser Grundsatz nicht streng fest- gehalten werde, könne von Erkennen einer Krankheit nach Beschrei- bung nicht die Rede sein. Viertens endlich legt unser Auctor grosses Gewicht auf genaue Beobachtung der Witterungs Verhältnisse; erst nach deren Hereinziehung in den Kreis der medicinischen Beobachtungen wür- den uns manche Räthsel gelöst werden „tarn ad speciem Morbi di- gnoscendam, quam ad ipsum Morbum exstirpandum.“4) Das Grübeln und Forschen nach den Grundursachen der Krank- heiten, das Philosophiren über unergründliche Dinge verwirft Syden- ham streng tadelnd, zumal wenn, wie meistens, darüber das Näher- liegende, dem menschlichen Verständnisse als Object sich Darbietende vernachlässigt wird. „ Atque ut impossibile plane est, ui Medicus eas *) Praef. pag. 14. 2) pag. 15. 3) pag. 16. 4t pag. 17.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24854177_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)