Vorlesungen über specielle Pathologie und Therapie / bearbeitet und herausgegeben von Emil Riker von Stoffella.
- Johann Ritter von Oppolzer
- Date:
- 1866
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Credit: Vorlesungen über specielle Pathologie und Therapie / bearbeitet und herausgegeben von Emil Riker von Stoffella. Source: Wellcome Collection.
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![dass kein Raum mehr für die Einflihrnng eines Katheters vorhanden ist. Ist in Fällen dieser Art die Eiteransammlung noch eine beträcht- liche, dann kann man sich leicht dadurch helfen, dass man um einen Intercostalraum höher eine neue Thoraxfistel anlegt; hat sich aber gleichzeitig mit der Verengerung des Intercostalraumes das Exsudat bereits so sehr vermindert, dass man nun nicht mehr sicher ist, ob man, wenn man im nächst höheren Intercostalraume die Pleura er- öffnet, in der That auf die Eiterhöhle trifft, dann bleibt nichts ande- res übrig, als nach dem Rathe S6dillot's oder Roser's die Trepa- nation oder Resection an der gerade unter der früheren Fistelöffnung gelegenen Rippe vorzunehmen. — Dass übrigens in allen Fällen von eitrigen Exsudaten überdiess nicht vernachlässigt werden darf, durch Chinin und eine passende Diät für die Aufrechthaltung der Ernährung Sorge zu tragen, bedarf wohl nicht näher erörtert zu werden. Ganz andere Verhältnisse als beim Empyem, ergeben sich bei den nicht eitrigen Exsudaten. Während nämlich bei eitrigen Exsudaten man erwähntermassen sein Augenmerk auf eine möglichst vollkommene Entleerung derselben zurichten hat, so ist eine solche bei nicht eitrigen Ergüssen nicht wünschenswerth, namentlich aber dann nicht, wenn sich der Patient zur Zeit, als die Operation ausge- führt wird, noch in einem fieberhaften Zustande befindet. Und zwar ist es desshalb gerathen nur einen Theil des Exsudates zu entleeren, weil erstens, wenn der Druck, welcher von Seite des Ergusses auf die Pleuragefässe ausgeübt wird, durch die Vornahme der Paracen- tese plötzlich eine allzu beträchtliche Verminderung erfährt, es sehr leicht zu einer neuerlichen Ausschwitzung in den Pleurasack hinein kommen kann, und zweitens, weil, wie wir oben bereits kennen gelernt, die Erfahrung lehrt, dass bei pleuritischen Ergüssen, welche nicht eitrig sind, der nach der Thoraxpunction zurückbleibende Rest derselben sich aufsaugen kann und nicht gleich den eitrigen Ergüs- sen sich als ein permanenter Entzündungsreiz verhält, somit auch von dieser Seite aus betrachtet die vollständige Entleerung des Er- gusses nicht angezeigt oder wohl gar geboten erscheint. Im Allge- meinen lasse man daher, sobald man bei nicht eitrigen pleuritischen Exsudaten die Paracentese des Thorax in Anwendung zieht, die im Brustraume angesammelte Flüssigkeit nur so lange durch die Canüle ausfiiessen, bis sich eine wesentliche Abnahme der Dyspnoe und Cyanose geltend macht, oder, wenn man die Operation desshalb vor- nimmt, weil in Folge der zu grossen Massenhaft]gkeit des Ergusses dieser nicht zur Aufsaugung gelangen kann — so lauge, bis die Flüs- sigkeit nicht mehr mit jener Vehemenz, wie Anfangs, aus der Ca-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21518725_0767.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


