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Credit: Physiologie der Netzhaut / von Hermann Aubert. Source: Wellcome Collection.
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![§ 57. Aus diesen Beobachtungsvesultatcn Isisseu sich folgende Schlüsse ziehen: 1) Farbige Objecte erscheinen inrlirecl unter gewissem Ge- sichtswinkel gesehen, farblos, und zwar auf weissem Grunde dun- kel, auf schwarzem Grunde hell. Wird ein farbiges Objcct albnählig von dem Fixationsi)unkte nach der Peripherie des Gesichtsfeldes bewegt, so erscheint es nicht von einer bestimmten Stelle ab farblos.^ nachdem bis dahin seine volle Farbe wahrgenommen worden ist, sondern es wird ganz jillniählig in seinem Farbentone geändert, bis es endlich gar keine Farbe mehr zeigt. Schon wenige Grade vom Fixationspunkto entfernt, wird ein höchst intensiv rotlies Quadrat von 4 Mm.^ auf weissem Grunde dunkler; die Dunkelheit des liotli und der Con- trast gegen den weissen Grund nehmen immer mehr zu, bis das Quadrat von der Färbung des beginnenden Rothglühens erscheint; noch um einige Grade mehr nach der Peripherie geschoben, sieht es farblos oder schwarz aus. Es ist daraus sogleich ei'siclitlich, dass der Punkt des Farbloswerdens nicht aufs Haar genau festgestellt werden kann, und das subjective Ermessen dabei eine grosse Kolle spielt. Indess für ein und denselben Beobachter, wenn er einige Uebung in derartigen Beobachtungen hat, findet sich nach einigen Vorversuchen eine ge- wisse Usance in der Beurtheilung dessen ein, was man für farbig oder für farblos zu halten hat, so dass ich die Fehler der vorliegenden Beobachtungen bei klei- nen Quadraten nicht über 2, bei grossen Quadraten nicht über 5 schätzen zu müssen glaube. — Ferner erscheinen auf den Regionen der Netzhaut, wo die Farbe sehr matt wird, die Quadrate nicht mehr scharf begrenzt, sondern als verzogene, undeutliche Flecke. — Ausserdem werden die farbigen Objecte, in- direct gesehen, sehr schnell favl)los, wenn sie unbewegt sind, was schon Puhryne [Beiträge u. «. ro. IL p. 14) bemerkt und auf die schnelle Ermüdung der peri- pherischen Netzhautregionen für Farbenempfindung geschoben hat. Hält man daher beim Schieben der Quadrate einen Augenblick inne, so erscheint das Qua- drat sogleich schwarz; macht man aber kleine Bewegungen mit dem Ob- ject, so erscheint es wieder farbig; schiebt man es nun noch einige Grade weiter, so ersclieint es auch bei kleinen ]iewegungen farblos, und erst dieser Punkt ist von mir notirt worden. Aehnlich wie Bot/i werden auch Blcm und Grün immer dunkler auf weissem Grunde, je mehr man sie vom fixirten Punkte entfernt, und endlich schwarz oder farblos. Gel// dagegen geht erst in ein bräunliches Gelb, dann in ein schinulzi- ges Hell])r;iun über, endlich erscheint es als ein dunkler, nicht grade schwarzer Fleck, an dem aber von Gelb keine Spur zu bemerken ist. Auf schwarzem Grunde erscheint Eot/i, je mehr man es vom Fixations- punkte fortschiebt, um so heller und matter, wird dann rothgelb, dann gelbgrau und endlich Grau. Blau, Grün und Gelh werden immer heller und endlich grau in verschiedener Dunkelheit; Blan ist am dunkelsten grau, GoW am hellsten und so stark contrastirend gegen die Umgebung, da,ss die Bestimmungen hier am schwierigsten und unsichersten sind. — Jicim Blan habe ich mitunter eine eigen-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21284866_0138.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


