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Credit: Physiologie der Netzhaut / von Hermann Aubert. Source: Wellcome Collection.
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![meist vorhaudcueii einzelnen Lichtfünkclion aucli eine graue Niiancc, welclic oben der Ausdruck einer Liclitompfindung ist. AIkü- selbst wenn jener Liclit- staub und die graue Nüance des dunkeln G-esichtsfeklcs fehlten, würden wir die Empfindung eines absoluten Schwarz immer noch als eine Lichtenipfiiidung bezeichnen müssen; denn sie ist nicht Nichts, sondern jedenfalls eine Emi)fin- dung, luid zwar eine Emijfindung, die sich mit irgend welchen andern Empfin- du~ugcn durchaus nicht vergleichen lässt, als eben nur mit den schwächsten Lichtemi)findungcn von denen sie nur dem Grade nach verschieden ist. — Mag also eine Lichtem])tinduug von aussen her erregt werden, oder nur die innere subjective Lichtproduction stattfinden; zu aller Zeit wird, so weit unser lie- wHsstseiu und unsere Erfahrung reicht, ununterbrochen Lichtemijfiuduug vor- handen sein, und nur wenn unser Bewusstseiu aufhört, erfahren wir nichts mehr von dieser allgemeinsten Thätigkeit unseres Sehorgaus. Wie alle Empfindungen kommt die Lichtempfindung nur zum Bewusstsein. wcini Dift'erenzen nach Kaum oder Zeit in derselben entstehen. Wir haben nie- mals ein dem Kaume nach gleichmässig beleuchtetes Gesichtsfeld und wenn wir auch objectiv eine gleichmässig helle Fläche vor uns haben könnten, so würde die subjective 'J'hätigkeit unserer Netzhaut Ungleichmässigkeiten setzen. Auch ist ixnser Gesichtsfeld nie auch nur ehie Sekunde lang unverändert, da, wie wir später sehen werden, jede Lichtempfindung sogleich eine subjective Thätigkeit des ganzen Sehorgans hervorruft, wodurch die Empfindung verändert wird. Wären wir ohne Unterbrechung in einem ganz gleichmässig hellen oder dunkeln Kaume, dessen Helligkeit keinem Wechsel in der Zeit unterworfen wäre, so würde die Lichtempfindung überhan])t nicht zu uuserm Bewusstsein kommen — eben so wenig wie der überall glcichmässige und nur geringem Wechsel unter- worfene Druck der Atmosphäre zu unserm Bewusstsein kommt. Wir empfinden also eigentlich nicht Licht, sondern nur L ich tdiff e r e n z en. Die allgemeine Frage für unsci-e Untersuchung wird also sein: unter welchen Bedingungen empfin- den wir Lichtdiffercnzen? und : wie grosse Lichtdifferenzen können wir empfinden? Diese Fragen werden nach verschiedenen Kichtungen zu specialisireu sein. Wir worden aber die Fähigkeit unserer Netzhaut, Licht oder Lichtdifferenzen zu < mpfinden, mit dem Ausdrucke „Lichtsinn bezeichnen. §4. Es wird ferner zu untersuchen sein, welchem anatomischen Substrat wir diese Funktion unseres Sehorgaus, die Licht- empfindung zuzuschreiben haben? Zu Akistoteles Zeit verlegte mau den Sitz dor Lichtempfindung in die durchsichtigen Medien des Auges; zu Mauiüttes Zeiten schwankte man zwischen der Chorioidca und Retina; jetzt nimmt man allgemein die Ketina als lichtempfindendes Organ an. Wir müssen hier zweierlei unicrscheiden: es ist nicht zu bezweifeln, dass die Bewegungen des Lichtäthcrs, insofern si-e eine Emi)findung erregen, nur bis zu der Stäbehenschicht der Netzhaut dringen, von da an aber eine andere, dem Nerven eigenthünüichc, uns nicht weiter bekannte Art der liewegung oder Leitung eintritt; diese Bc-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21284866_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


