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Credit: Physiologie der Netzhaut / von Hermann Aubert. Source: Wellcome Collection.
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![Dor Farbensinn. § 5. Wir haben den Liclitsiun • als die Fähigkeit, Lichtdiffei-cnzen zu em])findeu, defiuirt.; wir müssen jetzt diese Bestimmung beschränken, indem wir dem Lichtsinno nur die Unterscheidung von Lichtquantitäten oder Lichtinten- sitäten zuscln-eiben, davon aber die Fähigkeit, Lichtqualitäteu zu empfin- den, trennen. Die Lichtqualitäten, welche wir unterscheiden können, sind die Farben; eine andere Licht(iualität, das polarisirte und unpolarisirte Licht bringt keine verschiedenen Emptindungsqualitäten hervor; wir können beiderlei Lichtarten nur insofern unterscheiden, als sie Verschiedenheiten in der Lichtintensität oder in der Farbe des Lichtes erzeugen. Die Fähigkeit, Farben zu empfinden, nenne ich Farbensinn. Der Farbensinn kann sowohl durch Liehtätherwellen, von verschiedener Länge, als durch Druck, durch electrische Reizung, durch Ver- giftung erregt werden. Von dem Organ des Farbensinnes gilt dasselbe, was von dem Organ des Lichtsinnes gesagt worden ist, und wir werden im 5. Kapitel des zweiten Abschnittes, § 87 und § 88, sehen, dass die Unterscheidung leitender und empfindender Orgaue beim Farbensinn von Wichtigkeit ist. § 6. Die Empfindung von Lichtdifferenzen ist eine uothwendige Bedingung zum Sehen, aber wesentlich für das Sehen ist es ausserdem, dass diese Diffe- renzen nicht blos in der Zeit, sondern auch gleichzeitig dem liaume nach statt- finden. Wir haben gleichzeitig verschieden starke Lichtempfindungen und weisen denselben verschiedene Orte in dem Räume unseres Gesichtsfeldes an. Wie wir das Letztere bewirken, werden wir nachher zu untersuchen haben; zuerst wollen wir die Fähigkeit, verschieden starke Lichtempfindungen gleichzeitig zu haben, und die daraus zu ziehenden Folgerungen besprechen. — Wenn wir zwei ver- schiedene Finpfindungen derselben Qualität gleichzeitig haben, so müssen wir dafür zwei Orgaue voraussetzen, welche die beiden Eindrücke zuerst isolirt auf- nehmen, isolirt in Empfindung umsetzen und die Empfindungen isolirt zum Be- wusstsein bringen. Je mehr verschiedene Empfindungen gleichzeitig stattfinden sollen, um so mehr isolirt empfindende Organe müssen vorbanden sein, und für das Sehorgan muss deren Zahl, wie wir sehen werden, ausserordentlich gross sein. Wir haben uns demnach unsere Netzhaut aus einer grossen Menge von Theilen zusammengesetzt zu denken, welche den Lichteindruck isolirt aufnehmen, luid dann wiederum eben so viele Theile, welche die Empfindung isolirt zum Hemisstsein bringen. Diese Voraussetzung ist nothwendig, wenn wir uns vor- stellen sollen, dass ein einzelner leuchtender Punkt als solcher empfunden werden soll, da ja zugleich mit ihm die andern Punkte als nichtleuchtend oder anders- haichtend empfinidcn werden müssen. Bevor nun ein leuchtender Punkt in der Aussenwelt einen Eindruck als Punkt auf unsere Netzhaut machen kann, müssen seine Strahlen durch die brechenden Medien des Auges wieder zu einem Punkte auf der Netzhaut vereinigt werden, und je genauer das der Fall ist, uni so besser isolirt wird er dann von der Netzhaut weiter befördert werden und zum Bewusst- scin gelangen können. Diese Fähigkeit unseres Auges, einzelne I'uukte distinct zu seilen, bezeichnet maji als die „Schärfe des Sehens; diese ist also eben so](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21284866_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


