Licence: Public Domain Mark
Credit: Physiologie der Netzhaut / von Hermann Aubert. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
392/416 page 374
![einströmte, stand das FensterLikl wieder in voller DeutlichJceit mit dunkeln Scheiben und lichten Fensterrahmen da. Ich habe diesen Versuch PuniaNJE's oft wiederholt und immer im Wesent- lichen bestätigt gefunden, sowohl werm ich bei grauem als bei blauem Himmel mindestens 10 Sekunden auf das Fensterkreuz oder auf eine durch helles diffuses Tageslicht beleuchtete Scheibe von schwarzem und weissem Papier geblickt hatte. Bei sehr grauem Himmel sehe ich die Erscheinung ganz so, wie sie Purkinje be- schreibt; bei hellerem blauen Himmel erscheinen die Scheiben im positiven Bilde roth, also complementär, das Fensterkreuz schwarz; dieses erscheint in dem darauf folgenden negativen Bilde blass rothgelb, die Scheiben dunkel, dann nur noch einmal wieder die Fensterscheiben grau mit röthlichem Anflug und dann wieder das negative Bild mit ganz farblosem Fensterkreuze, endlich wird alles finster. Die Augen habe ich bei diesem Versuche immer geschlossen und sorg- fältig mit einem schwarzen Tuche bedeckt, ohne sie zu drücken. Nehme ich das Tuch weg, so tritt das negative Nachbild wieder hervor und zwar mit rothem Fensterkreuz-, halte ich das Tuch wieder vor, so bemerke ich kein Nachbild, in dem Augenblicke, wo ich das Tuch entferne, blitzt aber wieder das negative Nachbild auf — das geschieht mitunter noch eine Viertelstunde nach Beginn des Versuches. — Ferner sehe ich einen einmaligen oder zwei- maligen Wechsel des Nachbildes erfolgen, binnen 2 bis 3 Minuten, wenn ich auf die Scheibe Figur 61, 10 Sekunden lang gesehen habe, und dann die Augen bedecke. Ich finde, dass Bewegungen der wohlbedeckten und geschlossenen Augen keine Veränderung des Nachbildes hervorbringen, wenn kein Druck auf die Augen ausgeübt wird. Auffallend ist die sehr lange Dauer der Nachbilder in diesem Versuche, da man doch nach viel stärkeren Erregungen kein so langes Verharren des Nachbildes beobachtet. Doch habe ich schon nach dem Ueber- spi-ingen des elektrischen Funkens die Beobachtung gemacht, dass nach einem lichtschwacheu Funken die Nachbilder von den durch ihn beleuchteten Objecten länger dauerten, als nach einem sehr hellen Funken (Moleschott, Untersuchungen, 1858, Bd. F., p. 301). Ferner hat Plateau, von dem der Ausdruck Oscillationen herrührt, einen Versuch angegeben, in welchem er Oscillationen in dem Erregungszustande der Netzhaut beobachtet hat (Poggbndohff's Annalen, 1834, Bd. 32, ]}.Ö50): Um die Oscillationen loahrzunehinen, sehe ich mit einem Auge durch eine schwarze 50 Centimeter lange und 3 Centimeter loeite Röhre, während ich das andere mit einem J'aschentuch.e volücommen dicht verschliesse, und betrachte anhaltend, ivenig- stens eine Minute lang, ein rothes Papier in vollem Tageslichte; dann nehme ich, ohne das andere Äuge zu entblössen, die Röhre fort und betrachte die weisse Decke des Zimmers. Alsdann sehe ich ein rundes grünes Bild, dem einige Zeit hernach ein rothes Bild folgt, zwar von geringerer Stärke und kürzerer Dauer, aber doch vollkommen sichtbar; clai-auf erscheiiit die grüne Farbe wieder, welche kurze Zeit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21284866_0392.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


