Studien zu einer Physiologie des Marsches / von Dr. Zuntz und Dr. Schumburg.
- Nathan Zuntz
- Date:
- 1901
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Credit: Studien zu einer Physiologie des Marsches / von Dr. Zuntz und Dr. Schumburg. Source: Wellcome Collection.
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![Es ist übrigens bei diesen Berechnungen nicht zu ver- gessen, dass ein geringes Maass von statischer Arbeit die Muskeln mehr ermüdet als eine sehr viel grössere dynamische Arbeit. Das kommt daher, weil bei letzterer die abwechselnden Verkürzungen und Verlängerungen der Muskeln den Blut- und Lymphstrom in ihnen mächtig fördern und dadurch eine viel bessere Ernährung der thätigen Muskeln sichern, als sie bei der stetigen Anspannung durch statische Arbeit möglich ist. Auch abgesehen von diesem Einfluss der intermittirendenThätig- keit auf die Ernährung ist bedeutungsvoll, dass die Muskeln beim Wechsel von Gontraction und Erschlaffung ausserordentlich viel mehr Arbeit leisten können als bei ständiger Anspannung. Es wird also bei Versuchen über die zweckmässigste Anbringung des Gepäcks vor allem darauf ankommen, die „statischeArbeit“ auf das geringste Maass zurückzuführen und es so einzurichten, dass auch dieses geringe Maass nicht durch tonische Muskel- spannungen, sondern durch intennittirende Beanspruchung von Muskeln in Form von Balancirarbeit zu leisten ist. In dem Kraftaufwand, welchen Speck als „statische Arbeit“ misst, ist nun noch ein Factor enthalten, der unsere besondere Aufmerksamkeit verdient, das ist die Mehrleistung der Athemmuskulatur. Diese Leistung ist freilich „dynamische Arbeit“ im strengen Sinne des Wortes, sie lässt sich aber doch von der für die Fortbewegung aufgewandten Arbeit trennen. Beim ruhigen Stehen mit einer Nackenlast von 30 kg ist- die Athcmgrösse, wie Speck’s Versuche zeigen, nur um etwa 25 pCt. erhöht, sicher aber ist wegen der grösseren Widerstände, welchen die Ausdehnung des Thorax begegnet, die Arbeit der Athemmuskeln mehr erhöht. Das zeigt sich, wie in unseren Bestimmungen der Vitalcapacität bei starker Belastung und wie in der flacheren, frequenteren Athmung, die wir bei schwerem Gepäck oonstatirten (S. 122), so auch in Speck’s Versuchen durch eine mit wechselnder Last bemerkbare Abnahme de]1 Äth eintiefe, welche durch stärkere Zunahme der Frequenz ausgeglichen wird. Gerade bei Speck tritt dies sehr deutlich hervor, weil er in der Norm eine ungewöhnlich langsame und tiefe Athmung hat. Unbelastet fördert er mit jedem Athemzuge 1195 ccm Luft, bei 30 kg Nebenlast 1180 „ „ :7 40 „ „ 1032 „ „ 77 50 „ „ 1003 „ 57 20*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28068592_0333.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


