Die Intellektuellen und die Gesellschaft : ein Beitrag zur Naturgeschichte begabter Familien / von H. Kurella.
- Hans Kurella
- Date:
- 1913
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Credit: Die Intellektuellen und die Gesellschaft : ein Beitrag zur Naturgeschichte begabter Familien / von H. Kurella. Source: Wellcome Collection.
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![gewissen clownartige P]igeiilieiteii ilirer üiisseiiichen Dirigeiitennianiereii, andere einer hochentwickelten Kunst des !Stre))ens und des gesellschaft- lichen Erfolgs lind schliesslich ziddlose männliche und iveildiche Vir- tuosen ihre mehr dauernde Position im Kimstleben grosser Städte ihrer hohen Pegabung zu erotischen Künsten verdanken, bedarf für den nicht ganz mit Blindheit gesclilagenen Kenner grossstädtischer Verhältnisse auch keiner weiteren Darlegung. Man muss einmal den Schwarm angejahrter Mänaden gesehen haben, der den löwenmähnigen Anton Bubinstein zu umringen pflegte, Avenn er in Berlin nach er- ledigtem Programm aus dem Konzertsaal ins A'estibul trat. Hier scliAveigt des Sängers Höflichkeit. Haben denn nun diese Betrachtungen und Tatsachen ein Inter3sse für unser Thema? Es könnte ja scheinen, als spräche sich in meinen Ausführungen eine einseitige Überschätzung der Avirtschaftlichen Er- folge des Künstlers aus, Avälirend man doch an dieser Stelle psycho- logische Beobachtungen und Untersuchungen erAvartet. Nun gehe ich allerdings von der — an anderer Stelle zu beweisenden — A'oraus- setzung aus, dass die Kunst eine soziale Pli-scheinung ist, dass ihr eine Wechsehvirkung zAvischen Produzierendem einerseits und Ge- niessenden andererseits historisch und psychologisch zugrunde liegt; ja dass diese Wechsehvirkung als eine Kooperation recht eigentlich an- zusehen ist, bei der es freilich oft nicht an Plntfremduns: zAvischen beiden Teilen iund auch nicht an Momenten gefehlt hat, die den Künstler ganz isolieren; dann ergibt sich ein ergreifendes Bild: Byron in A'enedig festgebannt, von Spleen und HeiniAveh verzehrt, Avährend man in London und in den Hallen des Adels seinen Don Juan verschlingt; Wagner in Paris, unbekannt, verachtet, vergessen, mehr als halb verhungert; Beethoven in tiefer Einsamkeit an der Neunten Symphonie kompo- nierend, als zAvei Jalu’e lang nicht eines seiner OrchesterAverke in Wien öffentlich aufgeführt AAair; Schubert ohne ein Wort der IvJage — er hatte anderes als Worte für seine Leiden — dem Tode entgegen sehend, ehe er die Auffüluning seiner Symphonie erlebt hatte, als noch nicht eines von je sechs seiner Lieder einen Verleger gefunden hatte Anselm Feuerbach, der 18G2 eljen das erste seiner grossen Bilder, die Iphigenie, gemalt liat, das unverkäuflich bleibt Avie elf frühere, und der einen bekannten Bankier, der das Bild entzückt lobt, um ein kleines Darlehen angeht und abgeAviesen wird; Gottfried Keller, der, Kopf und Herz voll von den entzückendsten Bildern des Grünen Heinrich, die anmuten, Avie ein Blick auf die Insel der Seeligen, in Berlin fünf Ich erinnere an die ergreifenden Töne in der Begleitung zu seinem Liede vom Leyermann; „Unglückseliger Alter, willst Da mit mir gehen, Willst zu meinen Liedern Deine Leier drehen?“](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29010986_0101.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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