Die Intellektuellen und die Gesellschaft : ein Beitrag zur Naturgeschichte begabter Familien / von H. Kurella.
- Hans Kurella
- Date:
- 1913
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Credit: Die Intellektuellen und die Gesellschaft : ein Beitrag zur Naturgeschichte begabter Familien / von H. Kurella. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Ich will nur darauf hin weisen, dass die grösste, uns in Europa bisher bekannte Vererbungszähigkeit sich beim musikalischen und beim mathematischen Talente gezeigt hat; ich nenne die Carnot, dio Ber- noulli und dio Bach^), ich verweise bezüglich grosser Inzucht-Komplexe auf diesem Gebiete auf die Juden mid die Zigeuner. Schopenhauer (W. a. W. u. V., I, S. 302—313) macht sich ein wenig lustig über das Wort von L e i b n i z: „Musica est exer- citium arithnieticae occultum nescientis se numerare animi“, und will den Satz „im Sinne seiner höheren Ansicht der Musik folgendermasserL parodieren: Musica est exercitium methaphysices occultum nescientis se philosophari animi“. Nun, auch Schopenhauer hat recht, aber er wird Leibniz nicht ganz gerecht, denn er hat bei diesem eine Stelle übersehen (oder nicht zitiert), die lautet: „Selbst die sinnliche Lust lässt sich auf eine geistige, nur verworren erkannte Lust zurückführen. Die Musik er- götzt uns, obgleich ihre Schönheit in der Übereinstimmung von Zalilen und in einer Rechnung (soll heissen: Integrierung) von Schlägen und Erschütterungen der tönenden Körper, welche sich in gewissen Zwischen- räumen wiederholen, besteht, deren Avir uns nicht beAvusst sind, ob- Avohl dio Seele die Rechnung dennoch macht.“ fLeibniz, ,,Sämt- liche philosophische Schriften“, herausgegeben von Er dm ann, Berlin 1839—40, S. 749.) Ich erinnere auch an die Leibnizsche Theorie der Apperzeption als BeAvusstseins-Funktion durcli Integrierung kleiner, unbeAvusst gebliebener Perzeptionen („units of mind-stuff“), die unsere Empfindungen bilden, Avie die präglazialen Staubpulverkörnchen die heutigen Löss-Ablagerungen gebildet haben. Beim Hören Amn Musik — auch beim inneren Hören, dem Pro- duzieren erlebter, oder neuer unerlebter musikalischer Vorstellungen (Komponieren) — handelt es sich um die Auffassung des Verhältnisses von Verhältnissen, d. h. um eine durchaus mathematische Nervenfunk- tion; um Auffassung von Reihen A’on Verhältnissen, ganz analog der Reihenauffassung des Mathematikers — und um ein ständiges Variieren der Verhältnis-Reihen, das eine Analogie zu den unaufhörlichen ScliAvankungen unserer emotiven Erlebnisse, Avie vielen höchsten mathe- matischen Leistungen, bildet. Es bedarf also keiner Aveiteren Aus- führung, dass das Musizieren ein Oberbau ül)er einer unbeAvussten Differential- und Integralrechnung ist, und dass die Pluxionen-Lehre und die Funktions-Theorie uns nur entschleiert, Avas beim Musikhören — äusserem oder innerem — unbeAAuisst von uns geleistet Avird. Es handelt sich hie]- zugleich um Symbolisierungsfunktionen, analog denen, die- ’') Ihre Stammbäume finden sich in den bekannten Schriften von Möbius.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29010986_0092.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)