Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![Während nämlich die arabische Übersetzung hier deutlich den Mond — in dem wir schon oben (8. 72f.), weil er der mittelsten Sphäre des Kosmos zugehört'”), den Sitz der Weltseele erkannt zu haben glauben — als den dem Zwerchfell (φρένες) in der Mitte des Leibes entsprechenden „Sitz des Verstandes“ bezeichnet und es in scheinbarer Übereinstimmung damit im cod. Parisinus heißt: „lune [= lunae?] locus sensus apparce)t iKu)diecii>um [apparitio dietum Hds.] hominis quomodo in mundo in duobus locis est, lautet die Überlieferung im cod. Ambrosianus vielmehr: “lien locus sensus apparuit iudicium hominis, quomodo in mundo in duobus locis.“'®) Daraus könnte auf den ersten Blick wohl der Schluß gezogen werden, daß hier plötzlich nicht, wie wir früher (8. 13 ff.) ange- nommen haben, das Zwerchfell, sondern vielmehr die an das Zwerchfell angrenzende Milz (= lien, σπλήν) als Sitz der denken- den Seele oder des “Iudiciums’ bezeichnet werde. Was mir gegen diese Annahme zu sprechen scheint, ist dreierlei. Vor allem kommt hier die Tatsache in Betracht, daß, so viel wir wissen, dies die einzige Stelle in der griechisch-römischen Literatur sein würde, die sich für die Milz als Sitz der Seele anführen ließe. Zweitens wäre, wenn man die Milz an die Stelle des Mondes setzen wollte, völlig unklar, welcher Teil des Kosmos dann der Milz entsprechen sollte. Den Ausschlag aber dafür, daß lien’ a. ἃ. Ὁ. nur eine falsche Lesart für luna’ sein kann, gibt, abgesehen von der arabischen Übersetzung, das ausdrückliche Zeugnis des Galenos- kommentars (fol. 247) zu der Stelle, wo es heißt: ‘Wie der Ver- stand rasch und behende, dem Feuer ähnlich ist, so auch der Mond, und wie der Mond die Gegenstände beleuchtet, so durch- dringt auch das Gehirn [in dem Galen ebenso wie Hippokrates den Sitz der Seele erkennt; s. ob. Anm. 23] mit Hilfe der Sinne [sensus] die Dinge. — 186) Auch nach Heraklit Ὁ. Laert. Diog. 9, 10 ist die σελήνη προσγειο- τέρα, τὰ δὲ ἄλλα ἄστρα πλεῖον ἀπέχει ἀπὸ γῆς καὶ διὰ τοῦτο ἧττον λάμπει καὶ ϑάλπει. — Parmenides (b. Ast. 2,7, 1 = Diers? I Ι11, 13) lehrte, συμμιγῆ δ᾽ ἐξ ἀμ- φοῖν εἶναι τὴν σελήνην. Tod ἀέρος καὶ τοῦ πυρός. Der ἀήρ aber ist eine ἀπόκρισις τῆς γῆς. ξ ı86b) Wie die arabische Übersetzung lehrt, gehören die Worte “quomodo in mundo in duobus locis’ bereits zum folgenden, von dem doppelten Sitze der Wärme handelnden Abschnitte. Vor quomodo ist wohl calidum ausgefallen und zu lesen: “Hominis calidum quom.’ ete.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0105.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


